Wärmepumpe oder Netz entscheidet der Ort
Die Debatte über die Heizung der Zukunft wird oft ideologisch geführt. Die kommunalen Wärmepläne in Deutschland zeichnen nun ein deutlich nüchterneres Bild. Wärmepumpen und Wärmenetze sollen bis 2045 zusammen knapp vier Fünftel des Wärmebedarfs decken. Der Ausstieg aus Erdgas und Heizöl ist in den untersuchten Zielbildern damit kein Fernziel mehr, sondern konkrete Infrastrukturplanung.
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Für die zweite Ausgabe der Studie «Kommunale Wärmeplanung in Deutschland» werteten Fraunhofer ISE und Öko-Institut 377 Wärmepläne aus 938 Kommunen aus. Die Datenbasis ist damit deutlich breiter als bei der ersten Untersuchung 2025 mit 113 Plänen für 223 Kommunen.
Das Ergebnis ist klar. Wärmepumpen sollen 2045 rund 41 Prozent der Wärmeversorgung übernehmen. Wärmenetze sollen weitere 36 Prozent liefern. Zusammen bilden sie das Rückgrat der geplanten Wärmeversorgung. Dabei gilt keine Einheitslösung. In kleineren und mittleren Gemeinden dominieren dezentrale Wärmepumpen. Dichter bebaute Städte setzen stärker auf leitungsgebundene Wärme. Entscheidend sind lokale Wärmequellen, Siedlungsstruktur, vorhandene Leitungen und die jeweilige Entwicklungsstrategie.
Wärmenetze wachsen rasant
Bereits heute verfügen 71 Prozent der untersuchten Kommunen über mindestens ein Wärmenetz. Bis 2030 soll dieser Anteil auf 91 Prozent steigen, bis 2035 auf 95 Prozent. Der Anteil der über Wärmenetze bereitgestellten Wärme soll in diesen Kommunen von heute rund 15 auf 38 Prozent im Jahr 2045 zulegen.
Das ist für Stadtwerke, Netzbetreiber und Immobilienwirtschaft eine zentrale Botschaft. Wärmeplanung wird zum Ausbauplan für Stromnetze, Fernwärmeleitungen und den schrittweisen Umgang mit Gasverteilnetzen. Sie entscheidet mit darüber, welche Investitionen in Quartieren, Siedlungen und Gewerbegebieten langfristig sinnvoll sind.
Die offenen Rechnungen
Die Studie zeigt jedoch auch, wo viele Zielbilder noch zu wenig belastbar sind. Über alle untersuchten Pläne soll der Endenergiebedarf für Wärme bis 2045 um rund 32 Prozent sinken. Zwei Drittel der Kommunen rechnen dafür mit Sanierungsraten über dem historischen Wert von rund einem Prozent pro Jahr. Ob diese höhere Dynamik erreicht wird, bleibt häufig offen.
Das ist mehr als eine methodische Frage. Fällt die Sanierung langsamer aus als geplant, steigt der Wärmebedarf. Dann müssen Stromnetze, Wärmenetze und Erzeugungsanlagen grösser dimensioniert werden. Kommunen sollten deshalb auch weniger ambitionierte Sanierungspfade in ihre Infrastrukturplanung einbauen.
Biomasse wird knapp
Besonders kritisch ist die Rolle der Biomasse. In 63 Prozent der ausgewerteten Kommunen liegt der für 2045 geplante Verbrauch biogener Energieträger über dem lokal ausgewiesenen Potenzial. Über alle Pläne hinweg übersteigt der erwartete Bedarf das verfügbare Potenzial um fast 40 Prozent.
Viele Kommunen rechnen somit implizit mit Importen aus anderen Regionen oder dem Ausland. Wenn dies gleichzeitig vielerorts geschieht, entstehen Nutzungskonkurrenzen. Biomasse bleibt wertvoll, aber begrenzt. Sie eignet sich nicht als unbegrenzt verfügbarer Lückenfüller für jede Wärmeplanung.
Wasserstoff bleibt Ergänzung
Auch Wasserstoff ist nicht die universelle Lösung. Rund zwei Drittel der untersuchten Kommunen sehen 2045 keinen Wasserstoffeinsatz vor. Wo er vorgesehen ist, betrifft dies vor allem industrielle Anwendungen und Spitzenlasten in Wärmenetzen. Für die dezentrale Beheizung von Gebäuden spielt er nur vereinzelt eine Rolle.
Die Wärmewende entsteht aus dem Zusammenspiel von Gebäudesanierung, Wärmepumpen, Netzen und lokal verfügbaren Quellen wie Abwärme oder Geothermie. Die kommunalen Pläne liefern dafür eine Richtung. Jetzt müssen Netze, Investitionen und reale Sanierungen folgen.