Cardada steht vor dem Sturz aus der Bauzone
Cardada und Colmanicchio geraten trotz bereits verschärfter Ortsplanung erneut unter Druck. Der Tessiner Staatsrat will dort weite Teile der Bauzone nicht bestätigen und öffnet damit ein neues Risiko für Eigentümer, Projekte und tourismusnahe Nutzungen über Locarno.
Der politische Bruch hat ein genaues Datum. Locarnos Gemeinderat verabschiedete die kommunale Variante für Monte Brè sowie Cardada-Colmanicchio am 8. April 2024, nachdem die Schutzinitiative «Salva Monte Brè» seit 2019 die Debatte über Bauspekulationen in den Höhenlagen angeheizt hatte. Die Stadt hatte damit bereits eine deutlich restriktivere Planung beschlossen.
Doch der Kanton zieht die Grenze nochmals enger. Mit Beschluss vom 23. September 2026 signalisierte der Staatsrat, dass er in Cardada-Colmanicchio nur noch die Zone für öffentliche Einrichtungen und öffentliche Bauten bestätigen will. Dazu gehört etwa die Bergstation der Seilbahn. Der übrige Bereich soll als Gebiet ausserhalb der Bauzone gelten. Zusätzlich sollen drei Parzellen am Monte Brè aus dem Plan gestrichen werden.
Der lokale Kompromiss reicht nicht mehr
Die von Locarno beschlossene Variante war bereits ein Rückbau gegenüber früheren Entwicklungsspielräumen. Sie senkte den Ausnutzungsindex in der Bergwohnzone von 0,4 auf 0,3. Zudem mussten 75 Prozent der bebaubaren Fläche frei von Bauten bleiben, davon mindestens die Hälfte als Grünfläche. Für Hotel- und Tourismusbetriebe war auf Grundstücken ab 1’500 Quadratmetern ein Bonus bis zu einem Ausnutzungsindex von 0,375 möglich, allerdings nur mit Quartierplan.
Raumplanung wird zum harten Filter
Der Konflikt dreht sich damit nicht mehr nur um einzelne Projekte, sondern um die grundsätzliche Haltbarkeit der Bauzone in einem sensiblen Berggebiet. Der Staatsrat kündigte seinen Schritt im Rahmen der Genehmigung der Planänderung an und will Betroffenen zunächst das rechtliche Gehör gewähren. Gemeinde, Eigentümer und weitere Personen oder Organisationen mit schutzwürdigem Interesse können Stellung nehmen. Die Unterlagen sollen vom 12. Oktober bis 11. November öffentlich einsehbar sein.
Für Eigentümer beginnt eine Phase voller Unsicherheit
Rechtskräftig ist die Auszonung damit noch nicht. Für laufende und künftige Bauabsichten in Cardada und Colmanicchio verändert sich die Ausgangslage dennoch sofort. Wer dort auf Wohnnutzung, touristische Erweiterungen oder bauliche Reserven gesetzt hat, muss neu damit rechnen, dass der kantonale Genehmigungsentscheid den kommunalen Kompromiss in seinem Kern kippt.