Renens gibt Bauaushub ein zweites Leben

Auf dem Areal Les Palettes in Renens wird Aushubmaterial aus Baustellen zu fruchtbarem Substrat aufbereitet. Das Projekt nutzt 7'000 Quadratmeter einer vorläufig blockierten Entwicklungsfläche und zeigt, wie Zwischen­nutzungen Deponiedruck, Transporte und spätere Begrünungskosten zugleich senken können.

Renens/Waadt, Oktober 2026

Der Standort in Renens ist kein Zufall. Das Areal Les Palettes steht wegen einer kommunalen Reservezone seit der öffentlichen Auflage faktisch unter Entwicklungsbremse. Neue Bauten sind dort während fünf Jahren ab Genehmigung grundsätzlich untersagt, mit Verlängerungsoption um drei Jahre. Genau diese Pause schafft den Raum für eine Zwischennutzung, die im dicht bebauten Westen von Lausanne sonst kaum Platz fände.

Die Fläche der Reservezone umfasst rund 43’359 Quadratmeter und entspricht damit gut 4,3 Hektaren. Auf diesem Gelände der früheren Pépinières Meylan stellt der Eigentümer laut den vorliegenden Angaben 7’000 Quadratmeter für die Bodenaufbereitung bereit. Dort mischt Terasol unbelasteten Bauaushub mit organischem Material und Saatgut, damit über Monate wieder nutzbares Substrat für Begrünungen, Freiräume und Dächer entsteht.

Zwischennutzung mit echtem Baubezug
Für die Immobilien- und Baupraxis ist der Hebel konkret. Baustellen müssen Aushub sonst oft kostenpflichtig abführen und später für Umgebungsarbeiten oder Dachbegrünungen neues Substrat zukaufen. Das Renens-Modell verkürzt diese Kette. Die Erde bleibt in der Region, statt quer durch den Kanton transportiert zu werden, und eine blockierte Entwicklungsparzelle erhält vorübergehend eine produktive Funktion.

Les Palettes bleibt vorerst offen
Die Stadt Renens führt das Gebiet Les Palettes in ihrer laufenden Nutzungsplanung weiterhin als Sonderfall. Im PACom-Dossier von 2024 ist der Perimeter ausdrücklich von der allgemeinen Planung ausgenommen, weil für das Areal eine Detailplanung vorgesehen ist. Schon im kommunalen Geschäftsbericht 2022 wurde für den Standort eine künftige Parknutzung entlang des Baumettes-Bachs als Zielrichtung genannt. Bis diese planerischen Fragen geklärt sind, bleibt das Gelände ein seltenes Experimentierfeld für kreislauffähige Bodenwirtschaft mitten im Siedlungsraum.

Druck von zwei Seiten
Zusätzlichen Rückenwind erhält das Modell durch die starke Bautätigkeit in der Region. Im Grossraum Renens laufen mehrere grosse Infrastruktur- und Entwicklungsprojekte. Dazu gehört auch die Tramverlängerung von Renens nach Villars-Sainte-Croix, deren Plangenehmigung im Sommer 2026 erfolgt ist und deren Baustart ab 2027 möglich wird. Solche Vorhaben erzeugen Aushub, während Gemeinden und Bauherrschaften gleichzeitig mehr entsiegelte und begrünte Flächen verlangen. Genau an dieser Schnittstelle setzt das Projekt in Renens an.

Weitere Artikel