Wädenswil verdichtet ohne Verdrängung
An der Neudorfstrasse in Wädenswil soll eine Siedlung von 103 auf rund 160 Wohnungen wachsen, ohne dass die bestehende Mieterschaft weichen muss. Geplant sind Anbauten, Sanierungen im bewohnten Zustand und ein Baustart frühestens in der zweiten Hälfte 2027.
Die Siedlung Neudorfstrasse 32 bis 60 in Wädenswil wird nicht ersetzt, sondern weitergebaut. Die sieben Mehrfamilienhäuser aus dem Jahr 1982 sollen umfassend saniert und mit Anbauten sowie Ausbauten ergänzt werden. So will die Eigentümerin die Zahl der Wohnungen von heute 103 auf rund 160 erhöhen und die bestehenden Mietverhältnisse weiterführen.
Der Plan ist inzwischen konkretisiert. 2025 wurden mehrere Varianten geprüft und das Team um Halter AG als Sieger des Studienauftrags bestimmt. Seit Anfang 2026 läuft die Projektierung, das Baugesuch ist als nächster Verfahrensschritt vorgesehen. Der Baustart ist laut Projektwebsite frühestens ab der zweiten Hälfte 2027 geplant.
Mehr Wohnungen ohne Abriss
Das Siegerprojekt setzt auf «Weiterbauen» statt Ersatzneubau. Die bestehende Gebäudesubstanz bleibt erhalten, während Erweiterungen und Anbauten rund 60 zusätzliche Wohnungen schaffen sollen. Weil die Eingriffstiefe begrenzt bleibt, ist eine Sanierung im bewohnten Zustand vorgesehen. Auf dieser Grundlage kommuniziert die Eigentümerin, dass alle Mietenden in der Siedlung wohnen bleiben können.
Für die Immobilienbranche ist das mehr als ein lokales Bauprojekt. Im Raum Zürich stehen Leerkündigungen seit Jahren unter Druck. Die Zürcher Kantonalbank bezeichnete sie 2024 als Dilemma zwischen baulicher Erneuerung, Verdichtung und sozialer Verträglichkeit. Ihre Auswertung zeigt zudem, dass sich Leerkündigungen schweizweit stark auf grosse Städte und Tourismuszentren konzentrieren und die Stadt Zürich im Zeitraum 2018 bis 2022 besonders stark herausstach.
Sanierung mit sozialem Test
In Wädenswil wird nun der Gegenentwurf erprobt. Geplant sind erneuerte Bauteile, eine Aufwertung der Aussenräume, neue Gemeinschaftsflächen sowie zusätzliche Lifterschliessungen für einen Teil der bestehenden Wohnungen. Damit verbindet das Projekt energetische und funktionale Erneuerung mit Verdichtung, ohne den Bestand zuerst leer zu räumen.
Offen bleibt allerdings ein zentraler Punkt. Wie stark die Mieten nach der Sanierung steigen, ist bislang nicht veröffentlicht. Gerade daran wird sich zeigen, ob das Modell am Ende nur baulich überzeugt oder auch sozial trägt.