Die Bahn, die keiner wollte und alle brauchen

Zu teuer, zu lange gebaut, zu wenig Nachfrage. Drei Jahre später hat die Linie 20 zwischen Zürich Altstetten und Killwangen die Kritiker verstummen lassen. Denn was damals nach einem teuren Experiment aussah, ist heute das Rückgrat der Mobilität in einer der wachstumsstärksten Regionen der Schweiz.

August 2026

Im ersten Betriebsjahr 2023 stiegen 5,7 Millionen Menschen in die Limmattalbahn. 2024 waren es 6,1 Millionen und 2025 bereits 6,5 Millionen. Das Wachstum von über zwölf Prozent in drei Jahren ist kein Zufall, sondern das Ergebnis einer Bahn, die dort hält, wo das Limmattal lebt und arbeitet. Dietikon Bahnhof, Schlieren Zentrum und Zürich Altstetten führen die Rangliste der meistgenutzten Haltestellen an. Alle drei sind direkte Umsteigeknoten ins S-Bahn-Netz.

Der holprige Start
Ganz ohne Bremsspuren verlief der Aufbau nicht. In den ersten Betriebsmonaten brauchten Lichtsignalsteuerung und Fahrzeugtechnik Feinjustierungen. Schwerer wogen zwei Kollisionen im Frühjahr 2024 im Bereich Spreitenbach. Eins der acht Stadler-Tramlink-Fahrzeuge stand danach anderthalb Jahre in der Werkstatt. Die Verantwortlichen reagierten konsequent mit Anpassungen an Infrastruktur, Signalisation und gezielten Schulungen. Das Ergebnis ist eindeutig, 23 Unfälle im Jahr 2023, 15 im Jahr 2024 und nur noch 5 im Jahr 2025.

Technik, die mitdenkt
Die Tramlink-Fahrzeuge von Stadler Valencia sind keine gewöhnlichen Trams. Als Zweirichtungsfahrzeuge kommen sie ohne Wendeschleifen aus, was Fläche spart und den Betrieb flexibel hält. Weil die Strecke in der 1. Etappe auch von der VBZ genutzt wurde, beherrschen die Fahrzeuge zwei verschiedene Stromspannungen. Alle Haltestellen sind vollständig barrierefrei, modern ausgestattet und auch für sehbehinderte Fahrgäste zugänglich.

Was als Nächstes kommt
Der 15-Minuten-Takt hat sich bewährt. Doch das Limmattal wächst weiter. Neue Quartiere in Schlieren, Dietikon und Spreitenbach ziehen Einwohner und Unternehmen an. Die Nachfrage wird steigen. Ein Ausbau auf den 7,5-Minuten-Takt ist geplant, setzt aber die Beschaffung zusätzlicher Fahrzeuge voraus. Wer die bisherige Entwicklung kennt, zweifelt kaum daran, dass dieser Schritt kommt. Die Frage ist nicht ob, sondern wann.

Text: Christoph Grüninger • Bild: Aargau Verkehr

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