Die A2 wird zur Stadtfrage

Wenn die A2 steht, bleibt der Stau nicht auf der Autobahn. Er weicht auf Kantons- und Gemeindestrassen aus, bremst Busse und belastet den Alltag in Stadt und Agglomeration. Der Bypass Luzern soll diesen Druck abfangen. Der Transitverkehr soll künftig am Zentrum vorbeifahren, während die bestehende A2 vor allem dem lokalen Verkehr dient.
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Die A2 wird zur Stadtfrage

Bereits heute passieren den Reussporttunnel täglich über 100’000 Fahrzeuge. Bis 2030 dürfte diese Zahl auf mehr als 111’000 steigen, bis 2040 auf 124’000. A2 und A14 geraten damit nicht nur zu Spitzenzeiten, sondern strukturell an ihre Grenzen.

Das zeigt sich auch im Staugeschehen. An der Verzweigung Rotsee treffen die nationale Nord-Süd-Achse, der Verkehr aus Zürich und Zug sowie regionale Wege aufeinander. Rückstaus können sich von dort rasch ins lokale Netz ausbreiten.

Ein Netz mit klareren Rollen
Der neue Bypass führt von Ibach in Luzern Nord bis Grosshof in Kriens. Zwei getrennte Tunnelröhren mit je zwei Fahrstreifen sollen den Durchgangsverkehr unterirdisch am Zentrum vorbeileiten. Die heutige Strecke durch Reussport und Sonnenberg bleibt als Stadtautobahn für Ziele, Quell- und Binnenverkehr der Agglomeration verfügbar.

Im Norden wird die A14 zwischen der Verzweigung Rotsee und dem Anschluss Buchrain von vier auf sechs Fahrstreifen ausgebaut. Der Rathausentunnel erhält dafür eine dritte Röhre. Im Süden umfasst das Gesamtsystem Anpassungen auf der A2 bis zur Verzweigung Lopper.

Entscheidend ist die betriebliche Redundanz. Der Bypass und die Stadtautobahn schaffen parallel nutzbare Achsen. Das macht das Netz bei Unfällen, Baustellen und Unterhaltsarbeiten weniger anfällig. Ein einzelner Zwischenfall soll nicht mehr das Potenzial haben, die ganze Region zu lähmen.

Kriens gewinnt Raum zurück
In Kriens wird aus der Verkehrslösung eine Stadtfrage. Beim Arsenal ist eine Überdeckung der A2 auf einer Länge von 250 bis 300 Metern geplant. Der Tunnel Schlund soll um 130 bis 150 Meter verlängert werden. Zusammen sollen die beiden Überdeckungen 380 bis 450 Meter umfassen und neue Verbindungen zwischen heute getrennten Siedlungsräumen ermöglichen.

Oben sollen Grünräume, Begegnungsorte und sichere Verbindungen für den Fuss- und Veloverkehr entstehen. Das ist mehr als Lärmschutz. Es schafft Spielraum für Luzern Süd, einen der wichtigsten Entwicklungsräume der Region. Die Autobahn bleibt, doch sie verliert ein Stück ihrer trennenden Wucht.

Der Preis der Verbindung
Das Nationalstrassenprojekt Gesamtsystem Bypass Luzern wird gemäss aktuellem Projektstand mit rund 1,8 Milliarden Franken veranschlagt und vom Bund finanziert. Die zusätzlichen Überdeckungen Arsenal und Schlund kosten rund 186,5 Millionen Franken. Das ASTRA übernimmt 60 Prozent, der Kanton Luzern 26 Prozent und die Stadt Kriens 14 Prozent.

Die Krienser Stimmbevölkerung entscheidet am 27. September 2026 über den städtischen Beitrag. Bei einem Ja folgt am 29. November 2026 die kantonale Abstimmung über den Kantonsanteil.

Das UVEK hat für das Gesamtsystem Bypass im Februar 2024 die Plangenehmigung erteilt. Gegen den Entscheid gingen Beschwerden ein, die zurzeit gerichtlich geklärt werden. Die Überdeckungen in Kriens sind ein ergänzendes, eigenständiges Vorhaben. Ihre Realisierung wird nach einer längeren Planungsphase frühestens ab 2037 erwartet – koordiniert mit dem Bypass.

Mehr als freie Fahrt
Der Bypass ist nicht nur ein Projekt für mehr Kapazität. Er ist das Entlastungsprojekt für die Agglomeration und Stadt Luzern: Fahrzeuge, die heute auf Kantons- und Lokalstrassen unterwegs sind, werden künftig die Autobahn benutzen. Deshalb reduziert sich der Verkehr auf vielen Strassen rund um den neuen Bypass spürbar. Mit den Teilüberdeckungen entsteht auch räumlicher Mehrwert im Entwicklungsschwerpunkt Luzern-Süd, mehr Lebensqualität und starke Verbindungen über die Autobahn hinweg.