Deutschlands Immobilienpreise verlieren abrupt Kraft

Deutschlands Immobilienmarkt bremst im zweiten Quartal 2026 deutlich ab. Kaufpreise steigen nur noch minimal, Wohnimmobilien verlieren an Tempo und bei Büros drehen die Werte erneut ins Minus. Für Investoren, Entwickler und Finanzierer verschärft das die Unsicherheit im wichtigsten Nachbarmarkt der Schweiz.

August 2026

Im zweiten Quartal 2026 sind die Kaufpreise für Immobilien in Deutschland gegenüber dem Vorjahr nur noch um 1,3 Prozent gestiegen und gegenüber dem Vorquartal sogar um 0,1 Prozent gefallen. Damit verliert die Erholung sichtbar an Zugkraft. Besonders heikel ist das für Marktteilnehmer, die nach der Stabilisierung 2025 bereits mit einer breiteren Trendwende gerechnet hatten.

Der Rücksetzer kommt in einem Umfeld, das von höheren Zinsen, hohen Baukosten und konjunktureller Unsicherheit geprägt bleibt. Genau diese Mischung hatte laut Verband deutscher Pfandbriefbanken schon zu Jahresbeginn den Preisauftrieb gebremst. Das Kiel Institut zeigte zudem zuletzt, dass auch bei den Angebotsmieten und Wohnpreisen die Dynamik nachlässt.

Wohnmarkt steigt nur noch im Schritttempo
Wohnimmobilien legten im zweiten Quartal gegenüber dem Vorjahresquartal um 1,9 Prozent zu und gegenüber dem Vorquartal nur noch um 0,3 Prozent. Innerhalb des Segments hielten sich Einfamilienhäuser mit plus 2,6 Prozent zum Vorjahr am besten. Eigentumswohnungen kamen auf 2,0 Prozent. Mehrfamilienhäuser fielen mit 1,6 Prozent erneut zurück und blieben trotz steigender Mieten das schwächste Wohnsegment.

Für die sieben grössten Städte meldet der Index im Jahresvergleich ein Plus von 2,1 Prozent. Hamburg wuchs mit 3,8 Prozent am stärksten, Köln folgte mit 2,5 Prozent. Stuttgart bildete mit 0,7 Prozent das Schlusslicht. München bleibt unterdessen der teuerste Markt. Nach Daten von ImmoScout24 lagen die Angebotspreise dort bei rund 8’346 Euro pro Quadratmeter.

Mieten steigen weiter, aber weniger aggressiv
Auch auf der Mietseite flacht die Kurve ab. Die bundesweiten Neuvertragsmieten für Wohnungen in Mehrfamilienhäusern stiegen von April bis Juni um 3,2 Prozent gegenüber dem Vorjahr. In den grossen Metropolen lag das Plus im Schnitt nur bei 1,5 Prozent. Berlin kam im Quartalsvergleich auf 0,6 Prozent, Düsseldorf auf 3,6 Prozent, Hamburg auf 3,3 Prozent und München auf 2,4 Prozent.

Büros rutschen wieder ab
Am deutlichsten kippt die Lage im Gewerbe. Büroimmobilien verbilligten sich im zweiten Quartal 2026 gegenüber dem Vorjahr um 1,2 Prozent. Einzelhandelsimmobilien gaben um 0,2 Prozent nach. Für Entwickler, Bestandshalter und Kreditgeber ist das ein Warnsignal, weil damit ausgerechnet jenes Segment wieder schwächelt, das zuletzt erste Stabilisierungstendenzen gezeigt hatte.

Für die Schweizer Immobilienbranche ist der Blick nach Deutschland mehr als bloss Nachbarschaftsbeobachtung. Der Markt ist für Kapitalströme, Bewertungen, Finanzierungskonditionen und die Risikoeinschätzung institutioneller Investoren in Europa ein Referenzraum. Wenn dort die Preisbildung erneut stockt, erhöht das auch den Druck auf grenzüberschreitende Portfolios und auf die Erwartung an Exit-Fenster im Gewerbesegment.

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