Berns Wohnungsmarkt rutscht tiefer in die Enge
Im Kanton Bern ist die Leerwohnungsziffer 2026 auf 1,04 Prozent gefallen und damit so tief wie seit 22 Jahren nicht mehr. Besonders scharf zeigt sich die Knappheit in Thun, wo nur noch 0,05 Prozent der Wohnungen leer stehen, während neue Baugesuche und grosse Projekte erst mittelfristig entlasten dürften.
Der landesweite Rückgang hat Bern fast vollständig eingeholt. Schweizweit fiel die Leerwohnungsziffer per 1. Juni 2026 laut Bundesamt für Statistik auf 0,93 Prozent. Im Kanton Bern lag sie mit 1,04 Prozent nur noch knapp darüber und markiert damit den tiefsten Stand seit 2004.
Besonders zugespitzt ist die Lage in Thun. In der Statistik der Schweizer Städte weist die Stadt für den Stichtag 1. Juni 2025 eine Leerwohnungsziffer von 0,05 Prozent aus und gehört damit zu den angespanntesten Wohnungsmärkten des Landes. Parallel dazu rechnen Marktbeobachter im Kanton Bern 2026 weiter mit steigenden Angebotsmieten.
Druck greift auf weitere Regionen über
Die Knappheit beschränkt sich längst nicht mehr auf die Zentren. Der Mieterinnen- und Mieterverband spricht nach der Veröffentlichung der Leerwohnungszahlen 2026 von weiter steigenden Mieten und fehlenden bezahlbaren Wohnungen. Für Bern ist das branchenrelevant, weil sich der Suchdruck damit nicht nur in der Stadt Bern und in Thun verdichtet, sondern auch in kleineren Gemeinden und im ländlichen Raum stärker auf Vermietung, Projektentwicklung und politische Debatten auswirkt.
Verbände setzen auf mehr Neubau
Der SVIT Schweiz wertet die sinkende Leerwohnungsziffer als Alarmzeichen und fordert von Politik und Behörden mehr Wohnbau statt zusätzlicher Markteingriffe. Nach Berechnungen von Wüest Partner im Auftrag des Verbands lag die Leerstandsquote im Mietwohnungsmarkt schweizweit zuletzt bei 1,2 Prozent. Die Branche verweist dabei auf verzögerte und verteuerte Projekte durch Regulierungen und langwierige Verfahren.
Entlastung kommt nur schrittweise
In der Stadt Bern laufen zwar grössere Wohnbauvorhaben, sie lösen die Knappheit aber nicht sofort. Auf dem Meinen-Areal sind insgesamt 185 Mietwohnungen geplant, die erste Etappe ist seit Juli 2026 bezugsbereit, die zweite für Frühling 2027 vorgesehen. In Wankdorfcity 3 sollen bis 2029 rund 490 bis 500 Mietwohnungen entstehen, bezugsbereit ab 2027. Für den Markt heisst das, dass neues Angebot sichtbar wird, die tiefen Leerstände in gefragten Teilmärkten aber kurzfristig kaum verschwinden dürften.