Basels Bauinspektorat verliert die Spitze

Basel-Stadt zieht beim Bau- und Gastgewerbeinspektorat die Reissleine. Nach Kritik an langen Verfahren und an der Führung geht die Leiterin Anfang 2027 vorzeitig in Pension. Für Bauherrschaften zählt nun vor allem, ob der Führungswechsel die Bewilligungspraxis spürbar beschleunigt.

August 2026

Der personelle Schnitt folgt auf einen politischen Druckaufbau, der bis in den Grossen Rat reicht. Die Geschäftsprüfungskommission veröffentlichte im Juni 2026 einen Spezialbericht zum Bau- und Gastgewerbeinspektorat, nachdem sie die Lage seit 2024 untersucht hatte. Im Zentrum standen Mängel bei Organisation, Zuständigkeiten und Abläufen rund um die Baubewilligungen.

Das Bau- und Verkehrsdepartement kündigt nun an, dass Luzia Wigger Stein Anfang 2027 vorzeitig pensioniert wird und die Stelle zeitnah neu ausgeschrieben werden soll. Gesucht wird eine neue Leitung mit Erfahrung in Architektur und Bauwirtschaft. Für Projektentwickler, Eigentümer und Planungsbüros ist das mehr als eine Personalie, weil das Amt in Basel-Stadt die Baubewilligungsverfahren auf Privatparzellen koordiniert und führt.

Kritik trifft das Kerngeschäft
Die Kritik zielt auf den Bereich, der für die Immobilienwirtschaft am direktesten zählt. Bauherrschaften bemängeln seit Längerem die Dauer der Verfahren. Gleichzeitig war auch die Führungs- und Zusammenarbeitskultur intern und extern wiederholt Thema. Der Regierungsrat will im September 2026 zu den Empfehlungen der Geschäftsprüfungskommission Stellung nehmen. Damit bleibt offen, ob auf den Führungswechsel rasch auch organisatorische Korrekturen folgen.

Das Amt selbst ist für Baubewilligungen, Baukontrollen und gastgewerbliche Bewilligungen zuständig. Gerade bei Baugesuchen sitzt dort eine Schaltstelle, an der sich Tempo, Koordination und Verlässlichkeit des Verfahrens entscheiden. Wenn Abläufe an dieser Stelle stocken, trifft das nicht nur einzelne Bauvorhaben, sondern Terminpläne, Finanzierung und Vermarktung ganzer Projekte.

Digitalisierung ist bereits gestartet
Ein Teil der Gegenmassnahmen läuft schon. Basel-Stadt verweist auf ein vollständig digitales Online-Baubegehren ohne Papierdossiers sowie auf ausgebaute Beratungsangebote. Auf der Website des Kantons werden Online-Termine für Sprechstunden angeboten, dazu tägliche Telefonsprechstunden von 9 bis 11 Uhr und von 14 bis 16 Uhr. Diese Anpassungen sollen den Zugang zum Verfahren erleichtern, ersetzen aber die offene Frage nach kürzeren Durchlaufzeiten nicht.

Entscheidend wird deshalb, ob die neue Leitung das Inspektorat nur personell beruhigt oder das Bewilligungssystem auch operativ straffer aufstellt. Genau daran wird sich in Basel ab Anfang 2027 messen lassen, ob der Wechsel tatsächlich mehr ist als ein spätes Eingeständnis der Probleme.

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