Frohburg zeigt, wie Verdichtung Verdrängung bremst

In Zürich-Oerlikon steht die Frohburg vor dem Ersatzneubau mit 657 Wohnungen. Brisant ist weniger die höhere Dichte als das Verfahren dahinter. Trotz Rückbau sollen langjährige Mietparteien dank Etappierung, Vorzugsrecht und vergünstigten Konditionen zu einem Teil im Quartier bleiben können.
Zürich 2 Leseminuten
Beitrag teilen

Frohburg zeigt, wie Verdichtung Verdrängung bremst

Darum gehts

KI-generiert
  • Die Frohburg liegt per 27. Oktober 2026 im Bewilligungsverfahren.
  • In Oerlikon sollen 307 Wohnungen durch 657 ersetzt werden.
  • Etappierung und Vorzugsrecht sollen Verdrängung im Quartier bremsen.

Per 27. Oktober 2026 ist die Projektierung abgeschlossen und das Vorhaben befindet sich in der Bewilligungsphase. Der Rückbau und Bau der ersten Etappe soll voraussichtlich im Frühjahr 2027 beginnen, die ersten Wohnungen sollen 2029 bezugsbereit sein. Die zweite Etappe ist bis 2034 vorgesehen.

Auf dem rund 39’000 Quadratmeter grossen Areal in Zürich-Oerlikon sollen die heutigen 307 Wohnungen durch 657 Wohnungen und Gewerbeflächen ersetzt werden. Damit wird das Wohnungsangebot mehr als verdoppelt. Genau dieser Sprung macht das Projekt für die Stadtentwicklung relevant, weil zusätzliche Dichte hier nicht über einen kompletten Leerauszug erzwungen werden soll.

Etappierung statt Kahlschlag
Der Kern des Projekts liegt im gestaffelten Vorgehen. Weil in zwei Etappen gebaut wird, kann ein Teil der Bewohnerschaft innerhalb der Siedlung umziehen und im vertrauten Umfeld bleiben. Der Mieterinnen- und Mieterverband Zürich bezeichnet Frohburg deshalb als Beispiel dafür, dass sozialverträgliche Ersatzneubauten auch auf privatem Boden möglich sind.

Langjährige Mietparteien, die vor 2016 eingezogen sind, erhalten ein Vorzugsrecht auf eine gleichwertige Neubauwohnung zu stark vergünstigten Konditionen. Voraussichtlich können rund 90 Mietparteien in der Siedlung bleiben. Von den 657 Wohnungen sind 106 dem preisgünstigen Segment zugeordnet, weitere 36 dem studentischen Wohnen. Die preisgünstigen Wohnungen sollen bewusst zuerst entstehen.

Mehr Wohnungen, klarer Anspruch
Neben dem zusätzlichen Wohnraum sind ein Café, ein Quartierladen und ein städtischer Kindergarten geplant. Auch energetisch setzt das Vorhaben hoch an. Der Ersatzneubau soll an das Fernwärmenetz angeschlossen und nach SNBS 2.0 in der höchsten Stufe Platin realisiert werden.

Offen ist bis zum Abschluss des Bewilligungsverfahrens, ob der Zeitplan mit Baustart 2027 hält. Klar ist aber schon jetzt, woran sich Frohburg messen lassen muss. Entscheidend wird sein, ob das Zusammenspiel aus Etappierung, Vorzugsrecht und preisgünstigen Erstwohnungen den Verbleib der bisherigen Mieterschaft tatsächlich in relevantem Umfang absichert.