Luzern muss sich mit den weltweit Besten messen

Patrik Wermelinger hat die Leitung der Wirtschaftsförderung Luzern übernommen. Dies in einer Zeit, in der sich der Standort im globalen Wettbewerb behaupten und zugleich seinen eigenen Charakter bewahren muss. Der neue Direktor erläutert, weshalb Luzern auf innovationsstarke Unternehmen, tragfähige Rahmenbedingungen und das Zusammenspiel von wirtschaftlicher Entwicklung, Raumplanung und hoher Lebensqualität setzt.
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Luzern muss sich mit den weltweit Besten messen

Herr Wermelinger, Sie kehren nach zehn Jahren als Direktor zur Wirtschaftsförderung Luzern zurück, wo Sie bereits 2006 bis 2016 tätig waren. Was hat sich am Wirtschaftsstandort Luzern am stärksten verändert?
In den vergangenen zehn Jahren haben sich der Kanton, die Gemeinden und viele Luzerner Unternehmen konsequent für bessere Rahmenbedingungen engagiert. Luzern ist als Wirtschaftsstandort international sichtbarer geworden und kann heute ein noch attraktiveres Gesamtpaket bieten. Dazu gehören Planungssicherheit, eine hohe Lebensqualität, ein innovationsfreundliches Umfeld und die tiefsten ordentlichen Unternehmenssteuern der Schweiz.

Sie bringen internationale Erfahrung als Chief Investment Promotion Officer bei Switzerland Global Enterprise mit. Was übernehmen Sie aus dieser globalen Perspektive für Ihre neue Aufgabe?
Stolz, weil die Schweiz und der Kanton Luzern im internationalen Vergleich zu den wettbewerbsfähigsten Standorten der Welt gehören. Stolz auch, weil viele Luzerner Unternehmen in ihren Nischen weltweit führend sind und diese Position mit Pioniergeist und Innovationskraft täglich verteidigen. Und stolz, weil die Politik in der Vergangenheit zentrale Standortfaktoren immer wieder so weiterentwickelt hat, dass Unternehmertum geschätzt wird und sich entfalten kann. Dazu gehören innovative Regulierungen, Planbarkeit und Sicherheit.

Gleichzeitig verspüre ich Unruhe. Die technologische Entwicklung ist rasant, die geopolitische Lage bleibt anspruchsvoll. Beides eröffnet Chancen, schafft aber auch neue Risiken. Andere Länder und Metropolitanregionen passen sich sehr schnell an veränderte Kundenbedürfnisse an. Wir müssen uns deshalb mit den weltweit Besten messen. Nur so können wir unsere heutige Position halten und weiter verbessern.

Welche Prioritäten setzten Sie in Ihren ersten hundert Tagen als neuer Direktor?
In den ersten hundert Tagen stehen drei Dinge im Vordergrund. Netzwerk aufbauen, zuhören und das Erfolgreiche vorerst weiterführen.

Die Wirtschaftsförderung Luzern ist ein echtes Public Private Partnership Modell. Der Kanton, 79 Gemeinden und rund 190 Partner aus der überwiegend Luzerner Wirtschaft engagieren sich gemeinsam für den Wirtschafts- und Innovationsstandort. In der Startphase möchte ich deshalb mein Team, die Schlüsselpartner sowie die Luzerner Unternehmen und ihre Bedürfnisse genau kennenlernen. Danach geht es darum, die Ambition für 2035 und den Weg dorthin gemeinsam zu definieren.

An der Jahresversammlung 2026 wurden der GeoLab-Entscheid der ETH, der neue MSD-Hauptsitz und die Ansiedlung von Axiom Space als Erfolge gefeiert. Was verbindet diese drei Projekte strategisch?
Alle drei Projekte sind für den Wirtschafts- und Innovationsstandort Luzern von hoher strategischer Bedeutung. Sie sind das Resultat einer starken Teamleistung mit vielen beteiligten Akteuren. Sie helfen, Luzern international als innovativen Standort für Zukunftsindustrien zu positionieren.

MSD stärkt Luzern als Forschungsstandort mit zahlreichen Forschungsprojekten in der Schweiz und in Schachen. Das ETH Swiss GeoLab bringt Software-Ingenieurinnen und -Ingenieure wie auch Forschende im Bereich Erdbeobachtung in die Region. Axiom Space wiederum steht für die Raumfahrtindustrie, einen weltweit stark wachsenden Zukunftsmarkt. Gemeinsam zeigen diese Projekte, dass Luzern in wissensintensiven und international vernetzten Branchen attraktiv ist.

Die Wirtschaftsförderung Luzern zeigt mit internationalen Ansiedlungen und lokalen Erfolgsgeschichten wie Komeo, dass beide Ebenen zur Standortattraktivität beitragen.
Wie können internationale und lokale Unternehmen gleichwertig von den Angeboten der Wirtschaftsförderung Luzern profitieren?

Wir unterstützen Unternehmen bei ihrer Entwicklung, unabhängig von ihrer Grösse, Herkunft oder ihrem Entwicklungsstadium. Die Wirtschaft verstehen wir als starkes Ökosystem. Darin spielt jedes Unternehmen eine Rolle, unabhängig von Branche und Unternehmensgrösse. Internationale Ansiedlungen, etablierte Unternehmen, Startups und kleine Betriebe profitieren voneinander. Entscheidend ist, dass Unternehmen die Wirtschaftsförderung Luzern kennen, unsere Dienstleistungen verstehen und unkompliziert zu uns finden. Unser Anspruch ist, ein verlässlicher und gut erreichbarer Partner für alle Unternehmen zu sein.

Welche Rolle spielen die vielen kleinen und mittleren Betriebe künftig in Ihrer Standortstrategie?
Die Luzerner Wirtschaft zählt rund 34’000 Unternehmen. Mehr als 99 Prozent davon sind kleine und mittlere Betriebe. Sie bilden das Rückgrat und den Charakter des Wirtschaftsstandorts Luzern. Sie sind zugleich ein wichtiger Grund, weshalb sich ausländische Unternehmen im Kanton niederlassen.

KMU spielen deshalb auch in der künftigen Standortstrategie eine zentrale Rolle. Sie stehen im Wettbewerb und sollen sich dank attraktiver Rahmenbedingungen im gewünschten Tempo weiterentwickeln können. Die Wirtschaftsförderung muss ihre Bedürfnisse ebenso ernst nehmen wie diejenigen von internationalen Unternehmen.
Die SP Kanton Luzern kritisiert seit 2024 die Tiefsteuerstrategie bei der Ansiedlung multinationaler Unternehmen. Wie gehen Sie mit diesem politischen Gegenwind um?

Ich schätze die politische Diskussion und halte sie für wichtig. Der Kanton Luzern steht in einem nationalen und internationalen Standortwettbewerb. Für bestimmte Unternehmensfunktionen ist ein tiefer Gewinnsteuersatz ein zentraler Faktor.

Ich wünsche mir, dass wir künftig die Zusammenhänge und die Wirkung einer Standortstrategie breiter diskutieren. Dazu gehören nicht nur Steuern, sondern auch Fachkräfte, Bildung, Forschung, Mobilität, verfügbare Flächen und Lebensqualität. Der Standort Luzern muss als Ganzes überzeugen.

Wird durch aggressive Ansiedlungspolitik der Wohnraum in der Agglomeration zusätzlich verknappt, wie Kritiker behaupten?
Nein. Unsere Ansiedlungspolitik ist nicht aggressiv und sie verknappt den Wohnraum nicht direkt. Die Wirtschaftsförderung Luzern begleitet pro Jahr zwischen 15 und 25 Ansiedlungsprojekte. Daraus entstehen durchschnittlich rund 200 neue Arbeitsplätze pro Jahr. Die meisten dieser Stellen werden von Menschen besetzt, die bereits in der Schweiz leben. Zudem konzentrieren wir uns auf wertschöpfungsstarke Funktionen, die thematisch oder funktional zu Luzern passen. Unser Ziel ist eine Ansiedlungspolitik, die den Standort langfristig stärkt.

Welche neuen Flächen oder Areale sehen Sie als nächste Wachstumszonen für Unternehmen im Kanton?
Der Fokus liegt auf der Entwicklung der kantonalen Entwicklungsschwerpunkte. Besonders grosses Potenzial sehe ich in Luzern Süd, Luzern Nord, Luzern Ost, im Entwicklungsschwerpunkt Rothenburg Station sowie in der Region Sursee. Diese Räume bieten Chancen für Unternehmen, wenn Flächen, Mobilität und Nutzungen gut aufeinander abgestimmt werden.

Auch die Stadt Luzern bleibt ein sehr gefragter Unternehmensstandort. Sie verbindet urbane Qualität, internationale Sichtbarkeit und ein starkes Umfeld aus Unternehmen, Hochschulen und Dienstleistern.

Wo sehen Sie den Wirtschaftsstandort Luzern in zehn Jahren, wenn Ihre Strategie aufgeht?
Der Kanton Luzern hat das Potenzial, bis 2035 zu den weltweit führenden Wirtschafts- und Innovationsstandorten zu zählen. Dafür müssen wir die Stärken des Kantons gezielt weiterentwickeln und gleichzeitig offen für Veränderungen bleiben.

Entscheidend ist, dass Luzern seinen einzigartigen Charakter bewahrt. Wirtschaftliche Dynamik, Lebensqualität, Landschaft, gesellschaftlicher Zusammenhalt und unternehmerische Freiheit müssen auch künftig zusammenpassen. Nur dann entsteht ein Standort, der nicht nur erfolgreich ist, sondern auch langfristig attraktiv bleibt.