Herr Peter, der Durchgangsbahnhof und Bypass sind wichtige Grossprojekte für den Kanton Luzern. Wo stehen die Grossprojekte heute konkret?
Beide Projekte haben in den vergangenen Monaten wichtige Meilensteine erreicht. Beim Durchgangsbahnhof hat der Bundesrat im Juni entschieden, die erste Etappe in die Vorlage «Verkehr ’45» aufzunehmen. Das ist ein starkes Signal für Luzern und die ganze Zentralschweiz. Nun läuft die Vernehmlassung, 2027 folgt die Beratung im Bundesparlament. Auch beim Bypass sind wir einen grossen Schritt weiter: Mit den Städten Luzern und Kriens konnten zentrale Differenzen bereinigt und Lösungen für die Stadt- und Siedlungsentwicklung gefunden werden. Damit sind wichtige Voraussetzungen für die weitere Umsetzung geschaffen. Beide Grossprojekte zeigen: Es braucht Ausdauer und tragfähige Lösungen. Wir sind noch nicht am Ziel, aber heute deutlich näher als zu Beginn meiner Amtszeit.
Begleitend zum Bypass sind nun auch Teilüberdeckungen der Autobahn in Luzern Süd geplant, was versprechen Sie sich davon?
Die Teilüberdeckungen sind eine grosse Chance für Luzern Süd. Heute trennt die Autobahn Quartiere und prägt den Raum stark. Mit den neuen Siedlungsverbindungen können wir diese Trennwirkung reduzieren, Quartiere besser miteinander verbinden und neue Grün- und Begegnungsräume schaffen. Damit erreichen wir einen echten Mehrwert für die Bevölkerung und die weitere Entwicklung von Luzern Süd. Gleichzeitig sind die Massnahmen eng mit dem Bypass abgestimmt. Für mich ist wichtig: Wenn wir eine Infrastruktur dieser Grössenordnung bauen, müssen wir die Chance nutzen, nicht nur den Verkehr zu verbessern, sondern auch den Lebens- und Siedlungsraum langfristig aufzuwerten.
Der Bahnhof Luzern zählt nach Zürich und Bern die meisten Passagiere der Schweiz. Ab wann drohen ohne Ausbau konkrete Kapazitätsengpässe?
Kapazitätsengpässe drohen nicht erst in Zukunft, wir haben sie bereits heute. Am Bahnhof Luzern steigen täglich über 100’000 Personen ein, aus oder um, Tendenz steigend. Die Zufahrt zum Bahnhof hat mit rund 700 Zügen pro Tag aber ihre Leistungsgrenze erreicht. Gleichzeitig wächst die Nachfrage weiter. Das ist das eigentliche Problem: Während Bevölkerung und Mobilität wachsen, bleibt das Angebot weitgehend konstant. Der Durchgangsbahnhof beseitigt diese Engpässe und schafft die Kapazität für häufigere und direktere Verbindungen. Das ist sowohl für ein S-Bahnsystem mit Viertelstundentakt als auch für starke nationale und internationale Verbindungen von enormer Bedeutung. Deshalb ist es entscheidend, dass wir jetzt vorwärts machen.
Als Präsident des Gotthard-Komitees verbinden Sie den Durchgangsbahnhof mit der Gotthard-Achse. Welche Bedeutung hat dieses Projekt über den Kanton hinaus für die gesamte Schweiz?
Der Durchgangsbahnhof ist ein nationales Schlüsselprojekt. Er stärkt die Gotthard-Achse und gleichzeitig das gesamte Schweizer Bahnnetz: Reisende aus der Westschweiz, Bern und Basel Richtung Tessin und Italien sind via Luzern bis zu 20 Minuten schneller unterwegs. Damit wird auch die stark belastete West-Ost-Achse via Zürich vom Nord-Süd-Verkehr entlastet. Gleichzeitig ermöglicht der Durchgangsbahnhof den Halbstundentakt zwischen allen Schweizer Grossstädten und schliesst damit die letzte Lücke im nationalen Taktfahrplan. Er schafft zudem zusätzliche Kapazitäten und Ausweichmöglichkeiten bei Störungen. Für mich ist deshalb klar: Wer die Gotthard-Achse stärken will, muss auch ihre Zulaufstrecken stärken. Der Durchgangsbahnhof ist ein Projekt für die ganze Schweiz.
Der Kanton Luzern wächst laut Prognose bis 2055 um rund einen Drittel, das stärkste Wachstum der Schweiz. Wie begegnet der Kanton dieser Entwicklung?
Entscheidend ist, dieses Wachstum vorausschauend und qualitätsvoll zu gestalten. Ein wichtiges Instrument dafür ist der kantonale Richtplan, den wir derzeit überarbeiten. Darin schaffen wir die planerischen Voraussetzungen für die nächsten zehn und mehr Jahre – von der Siedlungsentwicklung über Mobilität und Landschaft bis zur Ver- und Entsorgung. Unser Ziel ist, dass die Infrastruktur mitwächst, genügend Wohn- und Arbeitsraum entsteht und gleichzeitig attraktive Frei- und Naherholungsräume erhalten und geschaffen werden. So wollen wir die hohe Lebensqualität im Kanton Luzern auch bei wachsender Bevölkerung sichern.
Wo steht die aktuelle Richtplanrevision heute und welche Schwerpunkte setzt sie angesichts des Bevölkerungswachstums?
Der Richtplan kann das Bevölkerungswachstum nicht beeinflussen. Er kann das erwartete Wachstum aber raumverträglich gestalten. Damit meine ich eine geordnete, kompakte und haushälterische Siedlungsentwicklung. Das bedeutet: Wir wollen vorhandene Siedlungsräume besser nutzen und verdichten, statt Kulturland einzuzonen. Gleichzeitig braucht es schlau vernetzte Verkehrslösungen, um die Erreichbarkeit im Kantonsgebiet zu gewährleisten. Im November wird die Richtplanrevision im Kantonsrat beraten. Unser Ziel ist, dass sie 2027 durch den Bund genehmigt wird.
Sie bezeichnen die vielen KMU als Rückgrat der Luzerner Wirtschaft. Welche Branchen oder Zukunftsfelder sollen gestärkt und künftig dazukommen?
Die Luzerner Wirtschaft ist sehr breit aufgestellt, sowohl hinsichtlich der Unternehmensgrössen als auch der Branchenvielfalt. Diese Diversität macht unseren Wirtschaftsstandort resilient und ist eine klare Stärke. Gleichzeitig beobachten wir neue Entwicklungen aufmerksam. Mit der Weiterentwicklung der Standortförderung wollen wir zudem insbesondere die Innovationskraft des Wirtschaftsstandorts weiter stärken – für einen attraktiven Werkplatz und eine zukunftsfähige Wirtschaft im Kanton Luzern.
Wie positioniert sich der Kanton Luzern im Standortwettbewerb gegenüber Zürich und der übrigen Zentralschweiz?
Der Kanton Luzern positioniert sich als hervorragend erschlossener Wirtschaftsstandort mit internationaler Ausrichtung und sehr attraktiven steuerlichen Rahmenbedingungen. Dieses Jahr hat der Kanton Luzern den Kanton Zug im Hinblick auf die effektiven Unternehmenssteuern abgelöst und bietet nun den tiefsten Satz der Schweiz. Gleichzeitig bietet Luzern ein Umfeld, das Unternehmen und Fachkräften gleichermassen Perspektiven bietet. Dazu gehören ein vielfältiges Kultur-, Sport- und Bildungsangebot sowie eine hohe Lebensqualität. Der Kanton Luzern hat damit gute Voraussetzungen, um im Wettbewerb mit Zürich und den anderen Kantonen der Zentralschweiz erfolgreich zu sein.
Der Kantonsrat hat für das Jahr 2026 250 Millionen Franken für die Standortförderung gesprochen, als Reaktion auf die OECD-Mindestbesteuerung. Wie stellen Sie sicher, dass dieses Geld nicht nur Grosskonzerne, sondern auch KMU stärkt?
Uns ist wichtig, dass die Mittel breit wirken. Entsprechend profitieren nebst den grossen Unternehmen auch KMU, die Bevölkerung und Gemeinden vom Massnahmenpaket. Verschiedene Massnahmen stärken KMU direkt, beispielsweise im Bereich der Digitalisierung oder über steuerliche Entlastungen. Dies gilt auch für die Instrumente der Innovationsförderung: So steht beispielsweise der Luzerner Innovationsbeitrag (LIB) – das Herzstück der Standortförderung – grundsätzlich allen im Handelsregister eingetragenen Unternehmen mit Personal und Räumlichkeiten im Kanton Luzern offen. Im Weiteren richtet sich die Massnahme zur Förderung des Start-up- & Innovationsökosystems explizit auch an KMU. Insgesamt tragen wir damit dazu bei, die Rahmenbedingungen für KMU zu verbessern und ihre Wettbewerbsfähigkeit zu stärken.
Welche Rolle spielt die Innovationsförderung künftig, um Start-ups und Forschungsinstitutionen dauerhaft im Kanton zu halten?
Die Innovationsförderung spielt dabei eine zentrale Rolle. Sämtliche Massnahmen basieren auf einer umfassenden Standortanalyse. Diese hat gezeigt, dass Luzern insbesondere im Bereich der Innovation noch Potenzial hat. Deswegen setzen wir mit dem Massnahmenpaket gezielt hier an.
Was bedeutet die Ansiedlung des ETH Swiss GeoLab in Root für den Innovationsstandort Luzern?
Mit dem ETH Swiss GeoLab gewinnt der Wirtschaftsstandort Luzern einen starken und attraktiven Partner. Rund um das Business Village und den Technopark in Root kann so ein Innovationscluster im Bereich Space & Aviation entstehen, von dem der Kanton Luzern und die gesamte Zentralschweiz profitieren. Gleichzeitig schafft das ETH Swiss GeoLab wichtige Impulse für die Entstehung von zahlreichen Start-ups und stärkt Luzern als Wissens- und Innovationsstandort. Deshalb ist die Ansiedlung eine grosse Chance – für Luzern und die ganze Region.
Das Ziel «Netto null 2050» wurde für die Schweiz mit dem Klima- und Innovationsgesetz (KlG) erstmals gesetzlich verankert. Der Kanton Luzern verfolgt mit dem Planungsbericht Klima und Energie dasselbe Ziel. Doch wo steht er auf dem Weg zu «Netto null 2050»?
Anfang Juli hat die Regierung den aktualisierten Planungsbericht über die Klima- und Energiepolitik vorgestellt. Wir orientieren unsere Klima- und Energiepolitik nach wie vor an den wesentlichsten Zielen, die bereits mit dem Planungsbericht 2021 definiert wurden. Dabei steht das Netto-null-Ziel bis 2050 im Zentrum. Momentan zeichnet sich jedoch ab, dass der Kanton Luzern in wichtigen Sektoren die Klimaziele ohne verstärkte Massnahmen verfehlen wird. So stagnieren beispielsweise die Treibhausgasemissionen im Verkehr und in der Landwirtschaft. Insbesondere in diesen Sektoren werden wir nun verstärkte Massnahmen und Lösungsansätze vorschlagen. Vor dem Hintergrund der rasch zunehmenden Auswirkungen des Klimawandels – wie etwa die Trockenheit diesen Sommer – verstärken wir auch die Massnahmen zur Klimaanpassung.
Gemäss dieser Strategie will der Kanton Luzern die Energieeffizienz steigern und mehr erneuerbare Energien in den eigenen vier Wänden einsetzen. Gibt es dazu ein konkretes Förderprogramm?
Ja, unser Förderprogramm Energie hat zum Ziel, die Energieeffizienz zu steigern und erneuerbare Energien in den eigenen vier Wänden vermehrt einzusetzen. Es ist ein wichtiges Werkzeug, um die Energieeffizienz zu steigern. Denn so stärken wir die Versorgungssicherheit und senken gleichzeitig den CO²-Ausstoss bei Gebäuden. Das Förderprogramm Energie trägt aber auch zum Klimaschutz und zu mehr regionaler Wertschöpfung bei, schafft Arbeitsplätze und unterstützt, dass wir das kantonale Klimaschutzziel ‹Netto null 2050› erreichen. Zudem führt uns die aktuelle Weltlage vor Augen, wie wichtig es ist, die Abhängigkeit von Energieimporten aus dem Ausland zu mindern. Das können wir, wenn wir unsere einheimischen erneuerbaren Energien verstärkt nutzen.
