Die Stadt stützt ihre Entwarnung auf zwei 2026 vorgestellte Analysen des Statistikdienstes. Untersucht wurden der Wohnungsmarkt, das Angebot und der Bedarf an Wohnungen mit moderaten Mieten sowie die Wohnraumnutzung, jeweils mit Datenstand 2025. Laut dieser Auswertung übersteigt das Angebot an moderat bepreisten Wohnungen die rechnerische Nachfrage, während sich beim effektiv genutzten Bestand ein anderer wunde Punkt verschärft.
Leerstand frisst verfügbaren Wohnraum
2025 standen 9,1 Prozent der Hauptwohnsitze in Lugano dauerhaft leer. 2020 waren es noch 7,2 Prozent. Die Stadt grenzt diesen Wert vom klassischen Leerstand von gut 1 Prozent ab, weil andere Berechnungsmethoden gelten. Für den Markt bleibt der Befund trotzdem heikel, denn langfristig ungenutzte Wohnungen fehlen im real verfügbaren Angebot.
Moderate Mieten wirken statistisch entspannter
Für das Segment der moderaten Mieten errechnet Lugano eine Nachfrage von 12 Prozent bei einem Angebot von 17 Prozent. Entsprechend sieht Stadtpräsident Michele Foletti derzeit keinen übermässigen Druck wie in Genf oder Zürich. Gleichzeitig will die Stadt die Ergebnisse in die Revision der Bebauungspläne und in die laufende Wohnungspolitik einbauen. Eine interne Arbeitsgruppe dazu besteht seit rund einem Jahr.
Kauf und Miete laufen auseinander
Beim Eigentum lag der Median-Verkaufspreis 2025 bei 8’266 Franken pro Quadratmeter. Das sind 3 Prozent weniger als 2024, aber 6,5 Prozent mehr als 2019. Bei den Mieten zeigt die städtische Auswertung für 2025 zwar ein Minus von 2 Prozent gegenüber 2024, gegenüber 2019 bleibt jedoch ein Plus von 13,5 Prozent. Parallel dazu stiegen die Nebenkosten weiter, vor allem wegen der Energiepreise.
Der Widerspruch bleibt politisch brisant
Gerade dieser Befund kollidiert mit Angebotsindizes wie jenem von Homegate und der Zürcher Kantonalbank, die für Lugano wiederholt deutliche Mietanstiege meldeten. Die Stadt erklärt die Differenz mit einer anderen Methodik und einem breiteren Blick auf den tatsächlich genutzten Bestand. Für Eigentümer, Investoren und Planende ist das mehr als Statistik. Davon hängt ab, ob Lugano vor allem ein Preisproblem, ein Nutzungsproblem oder beides zugleich bekämpfen muss.
