Zürich kippt drei Bahnstopps aus dem Richtplan
Höri, Regensdorf-Industrie und Zürich-Herdern sollen im kantonalen Richtplan verschwinden. Der Schritt trifft nicht nur Verkehrsprojekte, sondern auch Entwicklungsräume, weil der Kanton Nutzen, Kapazität und Kosten neu härter gewichtet.
Der Kanton Zürich legt seine Bahnplanung neu auf. In der Teilrevision 2026 des kantonalen Richtplans sollen gleich drei geplante Haltestellen gestrichen werden. Betroffen sind Höri, Regensdorf-Industrie und Zürich-Herdern. Die öffentliche Auflage läuft vom 14. September bis zum 14. Dezember 2026.
Die drei Streichungen stehen im Kapitel Mobilität des überarbeiteten Richtplans. Laut Erläuterungsbericht fällt Höri weg, weil die Station nur mit sehr hohen Investitionen umsetzbar wäre und zudem Anschlussverluste im Angebot auslösen würde. Für Regensdorf-Industrie hält der Kanton den Zusatznutzen für gering und verweist auf Nachteile für die Kapazität des Güterverkehrs. Zürich-Herdern verliert den Eintrag, weil der einst gedachte Veranstaltungsbahnhof nie vertieft wurde und Zürich-Altstetten diese Funktion bereits übernimmt.
Hohe Hürde für neue Halte
Gerade der Fall Höri zeigt, wie stark sich die Bewertung verschoben hat. Dort war eine Haltestelle seit Jahren politisch mitgetragen. Nun überwiegen aus Sicht des Kantons die infrastrukturellen Folgekosten und die betrieblichen Nachteile. Für Standorte entlang bestehender Linien ist das ein klares Signal. Ein zusätzlicher Halt reicht planerisch nicht mehr, wenn er Fahrplanstabilität, Anschlüsse oder Netzwirkung schwächt.
Auch für Regensdorf ist der Entscheid brisant. Rund um den Bahnhof Regensdorf-Watt treiben Kanton, Gemeinde und SBB mehrere Erschliessungsprojekte voran. Der bestehende Bahnhof soll auf der Nordseite mit neuem Bushof, angepassten Fuss- und Veloverbindungen sowie zusätzlichen Publikumsanlagen zum wichtigen Umsteigepunkt ausgebaut werden. Dass parallel die separate Station Regensdorf-Industrie aus dem Richtplan fallen soll, zeigt die Priorität für gebündelte Knoten statt zusätzlicher Halte.
Vier Projekte bleiben unter Druck
Im Richtplan verbleiben damit noch vier Vorhaben für neue Haltestellen. Politisch besonders heikel ist dies bei Grüze-Nord in Winterthur. Die Stadt bezeichnet die Station als zentrales Element für die Entwicklung des Gebiets Grüze und verweist auf ein Potenzial von täglich über 12’000 Personen. Gleichzeitig fehlen Grüze Nord und weitere Zürcher Schienenprojekte im bundesrätlichen Paket Verkehr 45, das sich 2026 in der Vernehmlassung befindet.
Für die Immobilien- und Standortentwicklung ist die Richtplanrevision mehr als eine technische Bereinigung. Sie entscheidet mit darüber, welche Entwicklungsgebiete künftig zusätzliche ÖV-Impulse erhalten und welche auf bestehende Knoten angewiesen bleiben. Nach der öffentlichen Auflage erarbeitet der Kanton die definitive Vorlage. Danach folgen die Beschlüsse von Regierungsrat und Kantonsrat.