Was aus Churs bekanntestem Wohnturm wird

An der Aspermontstrasse 19 beginnt für eines der bekanntesten Gebäude Churs ein neues Kapitel. Das Lacuna-Hochhaus wird umfassend saniert, nachdem rund 70 Mietparteien ihre Wohnungen verlassen mussten. Die Eigentümerin Asga Pensionskasse will den Wohnturm technisch, energetisch und räumlich für die kommenden Jahrzehnte stärken.

Die Lacuna-Siedlung in Chur. Bild: Domenig Architekten

September 2026

Das Lacuna-Hochhaus prägt die Churer Skyline seit den 1970er-Jahren. Mit 24 Geschossen und 85 Metern gilt es als höchstes Hochhaus Graubündens. Es entstand als Teil der Grosssiedlung Lacuna, die zwischen 1964 und 1981 nach den städtebaulichen Vorstellungen der Moderne entwickelt wurde.
Heute ist das Gebäude in die Jahre gekommen. Fassade, Haustechnik und Innenausbau entsprechen nicht mehr den Anforderungen an Energieeffizienz, Komfort und Sicherheit. Die Sanierung betrifft deshalb nicht einzelne Wohnungen, sondern die gesamte Gebäudesubstanz.

70 Haushalte mussten gehen
Die umfassenden Arbeiten waren im bewohnten Zustand nicht umsetzbar. Im Sommer 2025 erhielten rund 70 Mietparteien die Kündigung. Bis Ende April 2026 mussten sie ihre Wohnungen verlassen. Mehr als 100 Menschen waren direkt betroffen. Die Leerkündigung löste eine schwierige Situation aus. In einem angespannten Wohnungsmarkt bedeutet jeder vorübergehende Wegfall von Wohnungen eine zusätzliche Belastung. Gleichzeitig zeigt das Projekt, wie tiefgreifend Sanierungen von Grossbauten der Nachkriegszeit in bestehende Lebensgeschichten eingreifen.

Sanierung statt Ersatzneubau
Die Pensionskasse plant eine Gesamtsanierung. Das Projekt soll das Gebäude für die nächsten Jahrzehnte nutzbar machen und umfasst die Modernisierung der Gebäudehülle, der technischen Anlagen und der Wohnungen. Die Ausschreibung spricht zudem von erneuertem Wohnraum in einer grosszügigen Grünanlage mit Blick in die Bündner Berge.
Die Sanierung ist auch ein Entscheid für den Bestand. Statt das Hochhaus abzureissen und neu zu bauen, wird die vorhandene Struktur weitergenutzt. Das kann graue Energie sparen und den städtebaulich prägenden Bau erhalten. Ob die Modernisierung dieses Potenzial einlöst, hängt von der Qualität der energetischen, architektonischen und sozialen Umsetzung ab.

Noch nicht alles ist geklärt
Die jüngste Berichterstattung zeigt, dass das Vorhaben nun einen weiteren Projektschritt erreicht hat. Für frühere Bewohnende ist diese Transparenz zentral. Entscheidend wird sein, ob und unter welchen Bedingungen eine Rückkehr möglich ist. Ebenso wichtig sind die Mietpreise nach der Sanierung und der Umgang mit der sozialen Durchmischung im Gebäude.

Mehr als eine Fassadensanierung
Das Lacuna-Hochhaus steht für eine Aufgabe, die viele Schweizer Städte kennen. Gebäude der Nachkriegszeit bieten Wohnraum in gut erschlossenen Lagen. Nach fünf oder sechs Jahrzehnten benötigen sie aber oft grundlegende Erneuerungen bei Energie, Sicherheit und Haustechnik.

Die Aspermontstrasse zeigt deshalb mehr als ein einzelnes Bauprojekt. Sie zeigt den Konflikt zwischen klimaverträglicher Bestandserneuerung und dem Schutz bestehender Mietverhältnisse. Chur gewinnt ein modernisiertes Wahrzeichen. Ob daraus auch wieder ein Zuhause für eine breite Bewohnerschaft wird, entscheidet sich in den kommenden Projektphasen.

Weitere Artikel