Freeze the Rent, ein Befehl der die Welt aufhorchen lässt

New York ist teuer, rücksichtslos und notorisch unerschwingliche. Jetzt macht sein neuer Bürgermeister ernst. Für knapp eine Million Wohnungen gilt ab Oktober 2026 null Prozent Mieterhöhung. Ein politisches Erdbeben und ein Signal, das weit über den Hudson hinaushallt.

Zohran Mamdani bei einer Veranstaltung zum einjährigen Jubiläum von Congestion Relief in New York. Bild: Metropolitan Transportation Authority, CC BY 4.0, via Wikimedia Commons / Zuschnitt: immo-invest.ch

Juni 2026

Zohran Mamdani watete im Wahlkampf im Anzug in die Wellen vor Coney Island. Sein Slogan war so simpel wie provokativ: «Freeze the Rent.» Seit Anfang 2026 ist er Bürgermeister von New York und am 26. Juni beschloss das städtische Rent Guidelines Board genau das. Null Prozent Erhöhung für Ein- und Zweijahresverträge zwischen Oktober 2026 und September 2027.

Das Rent Guidelines Board hat solche Einfrierungen bereits unter Ex-Bürgermeister Bill de Blasio durchgesetzt, danach aber unter Eric Adams wieder moderate Erhöhungen von 3 bis 4,5 Prozent freigegeben. Mamdani kehrt jetzt zum harten Kurs zurück und nennt es «einen historischen Sieg für die Mieter».

Wer profitiert, wer nicht
Die Entscheidung gilt ausschliesslich für sogenannte «rent-stabilized» Wohnungen, also jene, bei denen die Stadt die zulässigen Mietsteigerungen reguliert. Das sind rund eine Million der insgesamt über zwei Millionen Mietwohnungen in New York. Für die andere Hälfte gilt der freie Markt, dort greift der Mietenstopp nicht.

Parallel dazu hat der Bundesstaat New York seit Oktober 2025 ein weiteres Gesetz in Kraft, Algorithmische Software zur Mietpreisfestlegung ist verboten. Landesweit hatten solche Programme Mieter 2024 rund 3,8 Milliarden Dollar extra gekostet.

Europa kennt das Prinzip
Mietpreisregulierung ist kein amerikanisches Phänomen. In Deutschland gilt seit 2015 eine Mietpreisbremse, die als eine der intensivsten Regulierungen Europas eingestuft wird. Wien setzt auf ein System geförderter Gemeindewohnungen, das Jahrzehnte alt ist. Und in der Schweiz bestimmt der hypothekarische Referenzzinssatz, wie stark Vermieter die Miete anpassen dürfen.

Aktuell liegt der Schweizer Referenzzinssatz bei 1,25 Prozent, stabil seit September 2025, bestätigt per Juni 2026. Wer seinen Mietvertrag noch auf einem Referenzzins von 1,5 Prozent oder höher basiert hat, kann grundsätzlich eine Mietzinsreduktion verlangen. Das Schweizer Modell wirkt leiser als New Yorks Schlagzeilen, aber es funktioniert über denselben Mechanismus, staatliche Begrenzung der Rendite auf Kosten des Wohnraums.

Mietenstopps sind populär und politisch wirksam. Ob sie langfristig mehr Wohnraum schaffen, ist umstritten. Investoren meiden regulierte Märkte, das Angebot bleibt knapp. New York zeigt, wenn der politische Druck gross genug ist, setzt sich Regulierung durch. Auch in der härtesten Immobilienmetropole der Welt. Die Frage ist nicht ob, sondern wie lange.

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