Tessin stoppt 9,4 Millionen für bestehende Wohnungen

Der Grosse Rat des Kantons Tessin hat den Kauf der restlichen ATISA-Aktien abgelehnt. Damit scheitert ein Kredit von 9,42 Millionen Franken für die vollständige Übernahme eines Bestands von 1’418 Wohnungen, den die Mehrheit als teure Kontrolle ohne neue Einheiten kritisierte.
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Tessin stoppt 9,4 Millionen für bestehende Wohnungen

Darum gehts

KI-generiert
  • Der Tessiner Grosse Rat stoppt den Kauf von ATISA.
  • Der Kredit über 9,42 Millionen Franken ist gescheitert.
  • 1’418 Wohnungen bleiben ohne vollständige Kantonskontrolle.

Entscheidend war im Parlament nicht der Bedarf an bezahlbarem Wohnraum, sondern die Frage nach dem Instrument. Mit 46 zu 38 Stimmen folgte der Grosse Rat am 26. Oktober 2026 dem Mehrheitsantrag seiner Finanzkommission und verwarf den beantragten Kredit von 9,42 Millionen Franken für den Ausbau der kantonalen Beteiligung von 38 auf 100 Prozent.

Betroffen ist Alloggi Ticino SA, eine Gesellschaft mit 1’418 Wohnungen in 61 Gebäuden im ganzen Kanton. Der Regierungsrat wollte mit dem Kauf der restlichen Aktien von Bundesamt für Wohnungswesen, Logis Suisse AG, BancaStato und Banca Cler ein direkt steuerbares wohnpolitisches Instrument sichern. Die bürgerliche Mehrheit hielt dagegen, dass der Kanton damit zwar die Kontrolle über den Bestand erhielte, aber keine einzige zusätzliche Wohnung schaffen würde.

Hohe Lasten im Bestand
Die finanzielle Dimension der Vorlage ging über den Kaufpreis hinaus. Im parlamentarischen Streit verwiesen Gegner auf rund 215,9 Millionen Franken Fremdkapital bei ATISA, davon etwa 202 Millionen Franken Hypotheken auf rund 90 Verträge verteilt. Dazu kommen laut Debatte geschätzte 39,4 Millionen Franken Sanierungsbedarf im kommenden Jahrzehnt. Gerade für die Immobilienbranche ist das der Kern des Entscheids. Der Kanton verzichtet nicht nur auf eine Transaktion, sondern auch auf die volle Steuerung eines grossen Bestands mit erheblichem Finanzierungs- und Erneuerungsdruck.

Streit um die Rolle des Staates
Die Regierung hatte den Kauf als strategischen Schritt für mietgünstigen Wohnraum verteidigt. Hintergrund war laut Regierungsbotschaft und Parlamentsdebatte der Verkaufswunsch eines bedeutenden Aktionärs, nachdem Forderungen nach Dividendenausschüttungen abgeblockt worden waren. Befürworter argumentierten zudem mit dem tiefen Einstiegspreis von 1’000 Franken je Aktie bei einem deutlich höheren inneren Wert. Die Ratsmehrheit liess das nicht gelten und stellte die ordnungspolitische Frage schärfer. Der Kanton solle Rahmen setzen, aber nicht mit hohen Mitteln einen bestehenden Wohnungspark vollständig übernehmen.

Wohnungspolitik bleibt offen
Der Entscheid beendet die Debatte über günstige Mieten im Tessin nicht. Er verschiebt sie. Offen bleibt, mit welchen Instrumenten der Kanton bestehende preisgünstige Bestände langfristig sichern will, wenn er die volle Kontrolle über ATISA nicht übernimmt. Für Entwickler, Bestandshalter und öffentliche Eigentümer ist genau das die relevante Lehre aus Bellinzona.