Der Neustart kommt nach einem politischen Beinahe-Unfall. Die Quartierplanung für das Van-Baerle-Areal wurde am 26. September 2021 an der Urne mit 1’908 zu 1’898 Stimmen verworfen, nachdem die Gemeindeversammlung sie am 22. März 2021 noch beschlossen hatte. Seither blieb offen, wie es auf der 22’000 Quadratmeter grossen Industriebrache weitergeht.
Inzwischen ist das Areal weitgehend für eine neue Nutzung vorbereitet. Laut Gemeinde wurden 2023 sämtliche Gebäude rückgebaut. Von April bis September 2024 lief die Dekontamination im südlichen Teil des belasteten Untergrunds. Gleichzeitig hält die Gemeinde auf ihrer Arealplattform fest, dass derzeit kein Planungsverfahren läuft und aktuell keine Aussage zum Projektstatus möglich ist.
Zweiter Versuch mit heiklem Erbe
Genau darin liegt die Brisanz des neuen Anlaufs. Das frühere Projekt sah auf dem Areal rund 415 Wohnungen sowie Flächen für Gewerbe und Quartierversorgung vor. Dieses Volumen machte die Entwicklung für Münchenstein städtebaulich relevant, löste aber auch Widerstand gegen die angestrebte Dichte aus. Wer nun neu plant, muss deshalb mehr leisten als nur Visualisierungen zu zeigen. Entscheidend ist, ob aus einer gescheiterten Abstimmung ein tragfähiger Quartierplan wird.
Das Umfeld spricht weiterhin für eine Verdichtung an diesem Ort. Das Van-Baerle-Areal liegt im Entwicklungsgebiet Gstad, in direkter Nachbarschaft zu weiteren Transformationsflächen wie dem Walzwerk und nahe beim Innovationscampus Uptown Basel in Arlesheim. Das Gebiet ist über Bahnhof, Tram und Strassenanschlüsse gut erschlossen. Gerade an solchen Lagen wird die Frage scharf, ob zusätzliche Wohnungen in der Agglomeration politisch durchsetzbar sind, wenn die bauliche Dichte sichtbar urban ausfällt.
Wohnraum ja, Konsens noch offen
Für die Immobilienbranche ist das Projekt damit mehr als eine lokale Episode. Es zeigt, wie knapp Arealentwicklungen selbst an gut erschlossenen Standorten scheitern können und wie lang die Verzögerung nach einem Nein ausfällt. Zwischen Abstimmungsniederlage, Rückbau und Altlastensanierung liegen inzwischen mehrere Jahre. Erst danach kann überhaupt wieder über Nutzung, Dichte, Mobilität, Freiräume und die politische Mehrheitsfähigkeit eines neuen Quartierplans verhandelt werden.
Offen bleibt auch, in welchem Eigentümer- und Zeitrahmen der nächste Schritt erfolgt. Die Gemeinde nennt inzwischen die Rietpark AG als Eigentümerin des Areals und hält fest, dass von Seiten der Grundeigentümerschaft derzeit keine unmittelbare Arealentwicklung initiiert werde. Ein zweiter Anlauf ist damit als Richtung erkennbar, aber noch nicht als eingereichtes Projekt.
