Zürich will Umbauten an Schutzobjekten erleichtern
Der Zürcher Regierungsrat greift tief in ein empfindliches System ein. Geschützte Gebäude sollen künftig leichter umgebaut werden dürfen, Bürgerliche feiern, der Heimatschutz warnt. Zwischen historischem Erbe und modernem Wohnbedürfnis entsteht ein neuer Spannungsraum, der die ganze Region betrifft.
Bereits 2019 machte der Kanton Zug den ersten Schritt und verschärfte die Hürden für den Objektschutz spürbar. Zürcher Politiker liessen sich davon inspirieren, SVP-Kantonsrat Pierre Dalcher reichte 2020 gemeinsam mit FDP, Mitte und EVP eine Motion ein. Der Regierungsrat und LinksGrün wehrten sich zunächst, unterlagen aber im Kantonsrat.
Höhere Hürden, mehr Rechte
Neu braucht ein Gebäude zwei von vier Kriterien, um als Schutzobjekt zu gelten. Unterschutzstellungen erfolgen künftig partnerschaftlich per Vertrag statt per Verfügung. Bei öffentlichen Bauten, energetischen Sanierungen, barrierefreien Zugängen und modernen Wohnbedürfnissen werden Umbauten deutlich erleichtert.
Private Interessen wiegen schwerer
Der entscheidende Satz im neuen Gesetz besagt, dass private und öffentliche Interessen bei der Abwägung «hoch gewichtet» werden. Für Beschwerden gegen Umbauten bedeutet das eine massive Erschwerung. Auch die Bewilligungsverfahren werden schlanker, kleinere Umbauten sollen ohne separaten Schutzentscheid durchgehen, neu auch auf Gemeindeebene.
Geld für Eigentümer, Transparenz für alle
Gemeinden müssen sich künftig mit 10 Prozent an Erhaltungsmassnahmen kommunal geschützter Bauten beteiligen. Das kostet sie jährlich rund 3 Millionen Franken. Gleichzeitig entsteht ein öffentliches Onlineinventar, das sämtliche Schutzobjekte im Kanton sichtbar macht.
24’000 Gebäude im Fokus
Von den 300’000 Gebäuden im Kanton Zürich sind rund 24’000 in Inventaren erfasst, 2’400 stehen formal unter Schutz. Eine Spezialklausel für Gebäude unter 70 Jahren blieb aussen vor, das Bundesgericht hatte eine ähnliche Regelung in Zug wegen der Granada Konvention gekippt.
Applaus und Alarm
SVP, FDP, Mitte und EVP zeigen sich erfreut, Sonja Rueff-Frenkel lobt die «vernünftige Interessenabwägung». Der Hauseigentümerverband sieht darin einen Schritt zu mehr Verdichtung und dringend benötigtem Wohnraum. Martin Killias vom Zürcher Heimatschutz ist dankbar, dass der Schutz nicht abgeschafft wird, warnt aber vor Liften in historischen Türmen wie jenem der Kyburg oder des Grossmünsters, vor kaputt sanierten Häusern aus dem 17. Jahrhundert und vor dem Verlust historischer Innenausstattungen.
Der Heimatschutz zeigt sich bei Umnutzungen längst liberal, etwa bei Wohnungen in alten Scheunen oder der Umwandlung der Kirche Wipkingen in ein Schulhaus. Die neue Kostenbeteiligung der Gemeinden findet Killias fair, sie existierte schon früher, bevor sie unter der damaligen Baudirektorin Dorothée Fierz faktisch verschwand. Nun liegt der Ball beim Kantonsrat.