Zürich verschärft den Druck am Mietmarkt

Schweizweit wurden zwischen April 2025 und März 2026 rund 4 Prozent weniger Mietwohnungen inseriert als im Vorjahr. Gleichzeitig fällt die Insertionsdauer in Zürich auf 12 Tage und markiert den tiefsten je gemessenen Wert einer Schweizer Grossstadt.

Juni 2026

Der Schweizer Mietwohnungsmarkt läuft weiter auseinander. Während landesweit zwischen April 2025 und März 2026 noch 393’897 Mietwohnungsinserate gezählt wurden und damit rund 4 Prozent weniger als im Vorjahr, fällt die Insertionsdauer in Zürich auf nur noch 12 Tage. Damit weist die Stadt nach verfügbaren Angaben den tiefsten je gemessenen Wert einer Schweizer Grossstadt seit Beginn der OWI-Erhebung im Jahr 2015 auf.

Für Eigentümer, Bewirtschafter und Entwickler ist das mehr als eine statistische Verschiebung. Das Inseratevolumen schrumpft, zugleich bindet der Markt bestehende Mietverhältnisse stärker. Wer in den angespannten Zentren Wohnraum neu anbietet, trifft auf eine rasch absorbierte Nachfrage. In entspannteren Märkten ausserhalb der Hotspots verlängern sich die Vermarktungszeiten dagegen deutlich.

Zwei Märkte in einem Land
Die neue OWI-Erhebung zeigt eine scharfe Trennlinie. In Städten mit hoher Nachfrage und knappen Flächen bleibt das Angebot zu klein, um Zu- und Umzüge aufzunehmen. Zürich überholt damit Genf als sichtbarster Engpassmarkt unter den grossen Städten. Noch ausgeprägter bleibt die Knappheit nur in Chur mit 11 Tagen Insertionsdauer. Ebenfalls sehr kurze Vermarktungszeiten verzeichnen Winterthur mit 13 und Luzern mit 15 Tagen.

Am anderen Ende des Feldes steht Neuenburg mit 41 Tagen. Dort erreicht die Insertionszeit ebenfalls einen Rekordwert. Das deutet auf einen Markt hin, in dem Vermieter stärker um Nachfrage ringen und Leerstandsrisiken spürbarer werden. Auch in Lugano und Genf ist in den aktuellen Städtereports von nachlassender Nachfrage die Rede.

Weniger Umzüge, weniger Inserate
Der Rückgang der Inserate ist nicht automatisch ein Zeichen sinkender Wohnraumnachfrage. Vielmehr sprechen die vorliegenden Daten dafür, dass steigende Angebotsmieten die Wechselbereitschaft dämpfen. Wenn ein Umzug deutlich teurer wird, bleiben viele Haushalte in bestehenden Wohnungen. Für den Markt heisst das: weniger Fluktuation, weniger Ausschreibungen und in den Zentren noch härterer Wettbewerb um jede frei werdende Einheit.

Bemerkenswert ist der Vergleich mit der Vorperiode. Für April 2024 bis März 2025 hatte der OWI noch rund 410’000 Inserate und eine durchschnittliche Insertionsdauer von 23 Tagen ausgewiesen. Die aktuelle Erhebung dreht dieses Bild wieder um: weniger Ausschreibungen, leicht längere Vermarktung im Landesmittel, aber noch mehr Druck in den urbanen Engpasslagen.

Folgen für Projekte und Bewirtschaftung
Für die Immobilienbranche verschärft sich damit vor allem in den Zentren die Aufgabe, zusätzliche Mietwohnungen planungs- und marktfähig auf den Markt zu bringen. Gleichzeitig gewinnen regionale Unterschiede weiter an Bedeutung. Wer Neubau, Ersatzneubau oder Repositionierungen beurteilt, kann sich weniger denn je auf nationale Mittelwerte verlassen. Der Mietwohnungsmarkt zeigt im Sommer 2026 nicht eine Schweiz, sondern mehrere sehr unterschiedliche Teilmärkte.

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