Wie der Bund am eigenen Mietvertrag scheiterte
Rot-weisse Fahne, Hafenblick, direkter Zugang zum Wasser. Das «Swiss House» am Pier 17 in San Francisco war jahrelang die Visitenkarte der Schweiz im Silicon Valley. Jetzt ist Schluss. Der Bund musste den Standort räumen und lässt fast neun Millionen Franken zurück, ohne einen einzigen Rappen dafür zu erhalten.
2016 baute der Bund eine leerstehende Lagerhalle am Hafenbecken zu modernen Büros um. Die Investition betrug 8,8 Millionen Franken, dazu kamen 150’000 Franken für Mobiliar. Der damalige Generalkonsul feierte den Umbau als Symbol für eine moderne, innovative Schweiz.
Gemietet, nie besessen
Der Haken steckte im Kleingedruckten. Das Gebäude gehörte nie dem Bund, sondern der Port of San Francisco, einer öffentlichen Hafengesellschaft. Zur Investitionssumme kam über all die Jahre Miete hinzu, zuletzt 1,5 Millionen Franken pro Jahr. Insgesamt gab der Bund seit 2016 über 20 Millionen Franken für Umbau und Miete aus.
Die Rechnung ohne den Wirt
Als die Vertragsverhandlungen anstanden, forderte die Hafengesellschaft eine Erhöhung auf 2 Millionen Franken jährlich. Selbst dem Bund wurde das zu teuer. Eine Klausel zur Rückerstattung der Umbaukosten hatte man beim Mietabschluss nie verhandelt. Die Folge ist bitter. Die 8,8 Millionen Franken sind endgültig verloren.
San Francisco boomt, die Schweiz zieht ab
Ausgerechnet jetzt erlebt der Büromarkt in San Francisco einen Boom. KI-Unternehmen drängen massiv in die Innenstadt, seit 2024 wurde eine Rekordfläche neu vermietet. Von diesem Aufschwung profitiert die Schweiz nicht mehr. Der neue Standort an der Vallejo Street liegt nur wenige Gehminuten vom alten Pier entfernt, kostet aber immerhin 900’000 Franken Miete pro Jahr.
Bund verteidigt die Millionen
Trotz des Verlusts hält die Bundesverwaltung am Investment fest. Die Räumlichkeiten hätten die Ausstrahlung der Schweiz an diesem Ort wesentlich geprägt, so das Bundesamt für Bauten und Logistik. Ein Nachmieter für die alten Räume ist bislang nicht gefunden, die Schweizer Fähnchen hängen in den Inseraten noch immer an den Wänden.