Wer mehr wohnt, zahlt weniger

Gleiche Wohnung, gleiche Quadratmeter, komplett anderer Preis. Eine Luzerner Wohnbaugenossenschaft dreht das klassische Mietsystem um und belohnt grosse Haushalte statt kleine Portemonnaies. Die Idee klingt simpel, trifft aber einen Nerv, der den ganzen Schweizer Wohnungsmarkt beschäftigt.

Juli 2026

Im Libellenhof bei Luzern, einer Überbauung mit rund 100 Wohnungen nahe dem Kantonsspital, sinkt die Miete mit jeder zusätzlichen Person im Haushalt. WBG-Präsident Andreas Bucher bringt es auf den Punkt, ein solches Modell gebe es in dieser Klarheit bisher nirgends in der Schweiz.

Die Rechnung dahinter
Eine 4,5-Zimmer-Wohnung mit rund 106 Quadratmetern kostet für eine Einzelperson 3’140 Franken brutto. Ein Paar bezahlt 2’940 Franken, eine vierköpfige Familie 2540 Franken, bei maximaler Belegung mit fünf Personen sinkt der Preis auf 2340 Franken. Zwischen Single und Grossfamilie liegt damit ein Unterschied von 800 Franken pro Monat.

Platz soll dorthin, wo er gebraucht wird
Die Genossenschaft nennt ihr Konzept Lebensmobilitätsmodell und verfolgt ein klares Ziel, grosse Wohnungen sollen vor allem Familien zugutekommen. Der sogenannte Belegungszuschuss wird jährlich neu berechnet, ändert sich die Personenzahl im Haushalt, ändert sich auch die Miete. Ziehen Kinder später aus, steigt der Zins für die Eltern wieder, ausser sie wechseln in eine kleinere Wohnung.

Nachfrage übertrifft die Erwartungen
Kurz nach Vermarktungsstart zeigt sich der Erfolg bereits deutlich, rund 90 Prozent der 4,5-Zimmer-Wohnungen sind schon an Familien vergeben. Singles und Paare zahlen bewusst den vollen Mietzins und finanzieren damit die Rabatte für grössere Haushalte mit. Bucher nennt das eine notwendige Querfinanzierung, ohne die sich solche Zuschüsse für Familien schlicht nicht stemmen liessen.

Aufwand mit Weitsicht
Die Verwaltung des Modells sei anspruchsvoll, räumt Bucher ein, langfristig soll sich der Effort aber auszahlen. Wohnungen könnten so über Jahre hinweg immer wieder jenen Haushalten zugewiesen werden, die den Platz tatsächlich brauchen. Das gesamte Projekt Libellenhof umfasst in mehreren Bauetappen bis zu 238 Wohnungen, die Fertigstellung ist für 2029 vorgesehen.

Weitere Artikel