Was wird aus dem grössten Areal Basels?
Mitten in Basel liegt ein brachliegendes Industrieareal von knapp 30 Hektaren, direkt zwischen Rhein und Wiese. Es ist das grösste Transformationsareal der Stadt und ein politischer Brennpunkt. Am 14. Juni 2026 entscheiden die Basler Stimmberechtigten, was daraus wird. Ein neuer Stadtteil mit tausenden Wohnungen und Arbeitsplätzen oder eine naturnahe Rheininsel mit Bäumen, Sträuchern und Erholungsraum.
Klybeck-Rheininsel / Klybeck-Areal in Basel. Bildquelle: klybeck-rheininsel.ch.
Bis Mitte des 19. Jahrhunderts war das Klybeckgebiet tatsächlich eine Insel. Ein Seitenarm des Rheins trennte sie vom Festland, später wurde er zugeschüttet. Genau das will die Initiative des Basler Lehrers Philippe Ramseyer rückgängig machen. Der Altrhein soll freigelegt, das Gebiet bis 2035 in die Grünzone umgezont und mit einheimischen Bäumen und Sträuchern aufgeforstet werden. Das ergäbe laut Initianten die grösste zusammenhängende Grünfläche Kleinbasels.
Was der Kanton stattdessen plant
Der Kanton Basel-Stadt hat zusammen mit den Grundeigentümerinnen Swiss Life und Rhystadt AG ein anderes Bild vor Augen. Das Richtprojekt «klybeckplus» sieht einen offenen, grünen und durchmischten Stadtteil vo. Wohnraum für 8’500 Menschen, davon ein Drittel gemeinnützig in Kostenmiete, sowie 7’500 Arbeitsplätze. Dazu kommen zwei neue Parkanlagen. Dazu kommen zwei neue Parkanlagen am Rhein- und Wieseufer, eine zwei Kilometer lange Uferpromenade sowie eine neue Trambrücke nach Frankreich. Die Investitionsbereitschaft der privaten Partner liegt laut Kanton bei über drei Milliarden Franken.
Breite Ablehnung der Initiative
Regierungsrat und Grosser Rat empfehlen ein klares Nein. Auch die Grünen stellen sich gegen die Initiative, obwohl das Projekt auf den ersten Blick nach ihrem Kernthema klingt. Die Kosten für die Freilegung werden auf mindestens eine halbe Milliarde Franken geschätzt. Hafenbahn und Schiffsanlegestellen müssten verlegt werden und die Umsetzung bis 2035 gilt als unrealistisch. Bei Annahme der Initiative könnten anstatt 3’500 nur noch rund 1’000 Wohnungen entstehen, was den angespannten Basler Mietmarkt weiter belasten würde.
Areal in Bewegung
Das Klybeck-Areal steht nicht still. Noch vor der grossen Transformation haben sich erste Nutzer angesiedelt, darunter Ateliers, Labore und Start-ups wie das Basler Biotechunternehmen Mycrobez. Der Bebauungsplan soll 2026 den Grossen Rat passieren und damit den Weg für die eigentliche Transformation freimachen. Das Westquai-Gebiet ist zunächst als flexible Zone mit Schwerpunkt Arbeit, Kultur und Gastronomie geplant, die neue Rhein-Nutzung wird nach Ablauf der bestehenden Baurechte Ende 2029 möglich.
Grundsatzfrage am 14. Juni
Basel beantwortet am Abstimmungssonntag keine kleine Planungsfrage, sondern eine stadtpolitische Grundsatzfrage. Wie wächst eine dichte, teure Stadt und wofür nutzt sie ihr letztes grosses Stück entwickelbares Land? Die Initiative bietet Grün. Der Gegenplan bietet Grün und Wohnungen. Das Volk entscheidet.