Thun Nord baut nicht einfach Wohnungen

Thun Nord sollte sich vom Industrie- und Militärgebiet zum vielfältigen Stadtteil entwickeln. Jetzt setzt der Bund eine neue Leitplanke. Die Flächen des Waffenplatzes bleiben für Armee und Verteidigung reserviert. Aus dem erwarteten Raum für zivile Überbauungen wird ein strategischer Standort für Ausbildung, Logistik und sicherheitsrelevante Innovation.

© VBS-DDPS

Bern, September 2026

Der Entwicklungsschwerpunkt Thun Nord umfasst rund 60 Hektaren. Seit rund 2000 verfolgt die Stadt die Idee, den Raum schrittweise vom Militär- und Industrieareal zu einem international ausgerichteten Hightech-Standort weiterzuentwickeln. Der kommunale Richtplan von 2014 bildet dafür die räumliche Grundlage.

Heute arbeiten im Gebiet rund 2300 Personen. Langfristig sieht die Stadt dort Raum für bis zu 8500 Arbeitsplätze vor. Vorgesehen waren und sind neue Baufelder für Unternehmen, Forschung, Gewerbe und Dienstleistungen, ergänzt durch Wohnanteile, attraktive Freiräume und eine bessere Anbindung an den öffentlichen Verkehr.

Überbauung war geplant
Die zivile Entwicklung hat bereits konkrete Namen. Der B5 Campus Thun soll rund 40’000 Quadratmeter Geschossfläche schaffen und die Empa als Ankernutzerin aufnehmen. Auch der geplante Stadtteil Tryber entlang der Uttigenstrasse gehört zur Entwicklungsstrategie. Der Aareraum soll gleichzeitig als Natur- und Erholungsraum aufgewertet werden.

Die Infrastruktur sollte mitwachsen. Eine neue S-Bahn-Haltestelle Thun Nord ist im Ausbauschritt STEP AS 2035 vorgesehen. Seit Dezember 2025 erprobt eine tangentiale Buslinie zudem neue Verbindungen im Raum Thun und Steffisburg.

Der Bund zieht die Grenze
Nun hat das Eidgenössische Departement für Verteidigung, Bevölkerungsschutz und Sport eine klare Entscheidung kommuniziert. Es will im Entwicklungsschwerpunkt keine weiteren bundeseigenen Flächen für rein zivile Nutzungen freigeben. Der Waffenplatz bleibt langfristig für militärische Zwecke verfügbar.

Damit ist die Arealentwicklung nicht aufgehoben. Aber sie erhält eine neue Geografie. Zivile Nutzungen können nur dort wachsen, wo Flächen nicht dem Bund gehören oder wo militärische und verteidigungsnahe Funktionen vereinbar sind. Die Hoffnung auf eine breite Umnutzung frei werdender Armeeareale wird kleiner.

Vom Waffenplatz zum Netzwerk
Der Bund will Thun zugleich stärker als Verteidigungs- und Innovationsstandort positionieren. Ein «Defence Cluster» soll Armee, Rüstungsindustrie, Hochschulen und Forschung näher zusammenbringen. Im Fokus stehen unter anderem Drohnen, Robotik und Cybertechnologien.

Das kann neue qualifizierte Arbeitsplätze und Forschungskooperationen auslösen. Es verschiebt aber auch die städtebauliche Perspektive. Thun Nord entwickelt sich weniger zu einem gewöhnlichen gemischten Quartier und stärker zu einem spezialisierten Technologieareal mit erhöhten Sicherheitsanforderungen.

Die Planung beginnt neu
Die Stadt hält am Entwicklungsschwerpunkt fest. Doch weil die Abstimmung von Eigentum, Militärnutzung, Mobilität, Freiräumen und ziviler Entwicklung komplex ist, wurde das Gebiet bei der seit Februar 2025 geltenden Ortsplanungsrevision zunächst ausgeklammert.

Stadt und VBS wollen die langfristige Entwicklung nun gemeinsam klären. Für Thun geht es um mehr als Boden. Es geht um die Frage, wie eine Stadt wachsen kann, wenn ein grosser Teil ihres wichtigsten Entwicklungsraums zugleich nationale Sicherheitsreserve bleibt.

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