St.Gallen schärft das Zukunftsbild für Lerchenfeld
Im Westen von St.Gallen soll Lerchenfeld in den nächsten zwei Jahrzehnten dichter, höher und gemischter werden. Das neue Leitbild koppelt zusätzliche Wohn- und Arbeitsflächen an den künftigen Doppelbahnhof Bruggen-Haggen und an neue Grün- und Wegeverbindungen.
Im Westen von St.Gallen soll das Lerchenfeld nicht einfach verdichtet, sondern neu organisiert werden. Das nun vorliegende Entwicklungsleitbild verknüpft zusätzliche Arbeits- und Wohnflächen mit einem öffentlichen Freiraumgerüst aus Grünzügen, Wegen und platzartigen Verbindungen. Für die Immobilienentwicklung ist das vor allem deshalb relevant, weil die Stadt damit früh einen Orientierungsrahmen für Umzonungen, Teilzonenpläne und spätere Arealentwicklungen setzt.
Der Kern bleibt klar: Lerchenfeld soll auch künftig in erster Linie ein Arbeitsgebiet sein, zugleich aber deutlich mehr Wohnnutzung aufnehmen. Ausgehend von den im Input genannten Flächen von heute rund 5’000 Quadratmetern Wohnen und 60’000 Quadratmetern Arbeiten stellt die Stadt für das Gebiet über rund zehn Hektaren ein markant höheres Potenzial in Aussicht. Höhere Dichten und Gebäudehöhen sind dabei ausdrücklich Teil der Strategie.
Bahnhof als Taktgeber
Nach verfügbaren Angaben versteht die Stadt den künftigen Doppelbahnhof Bruggen-Haggen als infrastrukturellen Hebel für das Gebiet. Das 2025 veröffentlichte Entwicklungsleitbild für das weitere Bahnhofsumfeld spricht von einem zusätzlichen Geschossflächenpotenzial von rund 80’000 Quadratmetern und beschreibt die Zusammenlegung der Bahnhöfe als Impuls für ein urbanes Arbeitsplatz- und Wohngebiet. Für 2026 ist die Einleitung von Verfahren für Umzonungen zu Schwerpunktzonen vorgesehen, der Ausführungskredit für den Bahnhof soll dem Stadtparlament bis Ende 2026 vorgelegt werden.
Damit rückt Lerchenfeld in eine Phase vor der eigentlichen Projektierung, die für Eigentümer und Entwickler oft entscheidend ist. Wer in diesem Korridor Flächen hält, erhält mehr Planungssicherheit, muss sich aber zugleich auf parzellenübergreifende Abstimmung einstellen. Die Stadt treibt keine isolierten Einzelbauten voran, sondern ein abgestimmtes Entwicklungsgerüst.
Mehr Dichte, aber nicht nur über Höhe
Im Input ist von möglichen Gebäudehöhen bis 45 Meter und in Ausnahmefällen darüber die Rede. Das passt zur Stossrichtung des offiziellen Leitbilds, das je nach Teilgebiet unterschiedliche Wohnanteile, Dichten und Höhen vorsieht. Gleichzeitig liegt der städtebauliche Mehrwert nicht allein in zusätzlichen Geschossen. Entscheidend sind die Verknüpfung mit dem neuen Bahnhof, ein multifunktionaler öffentlicher Raum zwischen den Bauten sowie ein durchgehender Grünraum entlang der Gewässer.
Gerade diese Kombination ist für die Standortentwicklung zentral. Das Gebiet soll nicht nur mehr Nutzfläche aufnehmen, sondern als zusammenhängender Quartier- und Arbeitsraum lesbar werden. Für spätere Investitionen heisst das: Die Qualität der Erdgeschosse, die Weganschlüsse und der Umgang mit Freiräumen dürften ebenso wichtig werden wie Ausnützungsziffern und Bauhöhen.
Ortsplanung wird konkret
Das Leitbild fliesst nach öffentlich zugänglichen Angaben in die laufende Ortsplanungsrevision ein. Gleichzeitig zieht die Stadt einzelne Umzonungsverfahren vor. Damit wächst der Druck, räumliche Ziele rasch in planungsrechtlich belastbare Instrumente zu übersetzen. Ob der ambitionierte Fahrplan hält, hängt allerdings weiter von politischen Entscheiden und möglichen Einsprachen ab. Für den Markt ist die Richtung dennoch gesetzt: Lerchenfeld wird als gemischt genutzter Entwicklungsraum im Westen von St.Gallen vorbereitet, mit dem Bahnhof als Auslöser und mit klar höherem Anspruch an Dichte, Freiraum und Kooperation.