Spitalimmobilien drängen an den Kapitalmarkt
Infracore will beim Börsengang an der SIX brutto rund 200 Millionen Franken aufnehmen und damit eine Akquisitionspipeline mit neun möglichen Spitalimmobilien finanzieren. Für den Schweizer Markt ist das ein Signal, dass Sale-and-Leaseback im Gesundheitssektor an Breite gewinnt.
Infracore nutzt den Börsengang nicht primär für Sichtbarkeit, sondern für Zukäufe. Der auf Spital- und Gesundheitsimmobilien spezialisierte Eigentümer will an der SIX brutto rund 200 Millionen Franken aufnehmen und damit eine Pipeline von neun möglichen Transaktionen in drei Schweizer Regionen finanzieren. Der erste Handelstag ist nach verfügbaren Angaben für den 9. Juli 2026 vorgesehen.
Damit rückt ein Segment in den Vordergrund, das im Schweizer Immobilienmarkt bislang eher punktuell bespielt wird. Infracore setzt auf Sale-and-Leaseback-Strukturen: Spitäler verkaufen ihre Liegenschaften, bleiben aber als langfristige Mieter im Objekt. Für Betreiber kann das Kapital für Betrieb, Sanierung oder Refinanzierung freisetzen. Für Eigentümer entsteht ein Spezialmarkt mit langen Verträgen, aber auch hoher Abhängigkeit von wenigen grossen Gesundheitsakteuren.
Kapital für Expansion und Bilanz
Das bestehende Portfolio umfasst 47 Immobilien an 19 Standorten mit einem Marktwert von rund 1,41 Milliarden Franken. Hinzu kommen die bereits angekündigten Immobilien des See-Spitals in Horgen und Kilchberg im Wert von 110 Millionen Franken. Ein Teil des Emissionserlöses soll zunächst ein Aktionärsdarlehen von rund 55 Millionen Franken zurückführen, der Rest ist für Akquisitionen sowie Renovations- und Entwicklungsprojekte vorgesehen. Zum Start des Angebots wurde der Ausgabepreis auf 54 Franken je Aktie festgelegt, was auf eine Börsenkapitalisierung von rund 826 Millionen Franken hinausläuft.
Für die Immobilienbranche ist vor allem die Struktur der Wachstumsstory relevant. Infracore kauft nicht einfach Bestandsobjekte, sondern sucht Immobilien, bei denen Betreiber ihre Bilanz entlasten und den Immobilienbetrieb auslagern wollen. Das kann besonders bei Spitälern mit hohem Erneuerungsbedarf oder anstehenden Refinanzierungen an Bedeutung gewinnen. Der Schritt des See-Spitals in Horgen zeigt, wie solche Transaktionen konkret zur Sicherung grösserer Finanzierungen eingesetzt werden können.
Abhängigkeit bleibt das Kernthema
Das Modell ist dennoch eng an die Qualität der Betreiber gebunden. Der Grossteil der Mieterträge stammt weiterhin von Swiss Medical Network. Infracore will die Mieterbasis deshalb verbreitern und prüft nach eigenen Angaben auch Konstellationen mit öffentlichen Spitälern. Parallel soll der Verschuldungsgrad mittelfristig von 44 auf rund 40 Prozent sinken, auch wenn er bei Übernahmen vorübergehend höher liegen kann. Die interne Leitplanke bleibt unter 50 Prozent.
Für den Schweizer Gesundheitsimmobilienmarkt ist der Börsengang deshalb mehr als ein Finanzierungsereignis. Er testet, ob sich ein spezialisiertes Spitalportfolio mit klarer Betreiberbindung auch am Kapitalmarkt als eigenständige Anlageklasse durchsetzen kann. Gelingt das, dürfte der Druck steigen, weitere Sale-and-Leaseback-Lösungen im Spitalsektor zu prüfen.
Quellen
Infracore Unternehmensprofil
Infracore Investor Relations
Awp Meldung zum Start des IPO
Gemeinde Horgen zur Partnerschaft mit dem See-Spital
Aevis Victoria zum geplanten Börsengang