Sechs Forderungen gegen die Wohnungsnot
Der Schweizer Mietwohnungsmarkt steckt fest. Immer mehr Menschen finden keine passende Wohnung, während andere in Wohnungen verbleiben, die längst nicht mehr zu ihrer Lebenssituation passen. Die «Schweizer Allianz für Wohnraum» fordert deshalb einen klaren Kurswechsel, weg von Subventionen, hin zu echten Anreizen für private Investoren.
In der Allianz engagieren sich Branchen und Verbände aus dem Immobilienbereich, die einen entscheidenden Beitrag zum Wohnungsmarkt leisten. Ihr zentrales Anliegen ist einfach formuliert, ohne gezielte Angebotsförderung entsteht kein zusätzlicher Wohnraum. Jährlich braucht es geschätzte 50’000 neue Wohnungen, um die Nachfrage zu decken.
Sechs konkrete Forderungen
Die Allianz benennt sechs Hebel, an denen sich etwas ändern muss. Verfahren sollen beschleunigt, das Ortsbildinventar ISOS differenzierter angewendet und das staatliche Vorkaufsrecht eingeschränkt werden. Zusätzlich fordert sie ein gelockertes statt verschärftes Mietrecht, eingeschränkte Verzögerungsmöglichkeiten durch Einsprachen und einen Stopp beim Ausbau subventionierten Wohnungsbaus, der private Investoren sonst verdrängt.
Die Zahlen hinter der Krise
Die Fakten sprechen für sich. Standen Ende 2015 pro Quartal noch 74 inserierte Wohnungen pro 1’000 Haushalte zur Verfügung, sind es laut Wüest Partner heute nur noch 43. Auch die Bautätigkeit schrumpft, zwischen 2004 und 2017 entstanden pro 1’000 Einwohner jährlich 7,3 Wohnungen, zwischen 2020 und 2024 nur noch 5,5, wie eine Raiffeisen-Analyse zeigt.
Verfahren als Bremsklotz
Besonders die Bewilligungsdauer sorgt für Frust. Im Kanton Zürich warten Bauwillige im Schnitt 170 Tage auf eine Baubewilligung, 76 Prozent länger als noch 2010, wie die Zürcher Kantonalbank in ihrer Publikation Immobilien aktuell festhält. Der bundesrätliche Aktionsplan Wohnungsknappheit enthalte zwar gute Ansätze, am Runden Tisch ISOS seien zudem mögliche Lockerungen diskutiert worden, doch der Allianz reicht das nicht.
Der Lock-in-Effekt als Kernproblem
Viele ältere Menschen bleiben in zu grossen Wohnungen, weil ein kleinerer Umzug sie finanziell schlechter stellen würde. Diese Wohnungen sind dem Markt faktisch entzogen und verschärfen die Knappheit zusätzlich. Nur mit echtem Zubau an vielfältigem Wohnraum lässt sich diese Blockade lösen und wieder Bewegung in den Markt bringen.
Private statt Staat
Die Allianz ist überzeugt, dass die öffentliche Hand die Lösung nicht allein liefern kann. Es braucht private Investoren, Bauunternehmer und zivilgesellschaftliches Engagement, während die Politik die richtigen Rahmenbedingungen setzen muss. Eine dauerhafte Verschärfung des Mietrechts bewirke dabei das Gegenteil des Gewollten und lähme den Markt zusätzlich.