Luzern mischt Wohnen ins Amtshaus

Am Seetalplatz in Emmenbrücke entsteht nicht nur der neue Verwaltungssitz des Kantons Luzern. Im 192-Millionen-Franken-Bau kommen auch 17 Mietwohnungen auf den Markt. Das zeigt, wie öffentliche Neubauten am Standort Luzern Nord zunehmend gemischte Nutzungen aufnehmen.

Juni 2026

Am Seetalplatz in Emmenbrücke wird der neue Verwaltungssitz des Kantons Luzern zum Hybridprojekt. Neben Flächen für mehr als 2’000 Mitarbeitende entstehen im Neubau auch 17 Mietwohnungen. Damit kommt in einem Gebäude, das primär auf Verwaltung und zentrale Dienstleistungen ausgerichtet ist, ein kleiner, aber sichtbarer Wohnanteil auf den Markt.

Der Nachrichtenkern liegt nicht nur in den Wohnungsinseraten selbst. Relevanter ist, dass ein öffentlicher Verwaltungsbau an einem der wichtigsten Entwicklungsstandorte der Zentralschweiz bewusst mit Drittnutzungen ergänzt wird. Gemäss öffentlich zugänglichen Projektunterlagen sind Wohnungen und weitere Drittflächen Teil der Wirtschaftlichkeitslogik des Hauses. Der Kanton verbindet damit Verwaltungsnutzung, Ertragsflächen und Quartierbezug in einem einzigen Baukörper.

Wohnen als Teil des Finanzierungsmix
Die 17 Wohnungen waren im Projekt bereits früh angelegt. In der kantonalen Botschaft zum Bau wird festgehalten, dass sie zusammen mit Drittflächen zur Wirtschaftlichkeit des Verwaltungsgebäudes beitragen sollen. Gleichzeitig bündelt der Kanton am Seetalplatz rund 30 Organisationseinheiten und verlagert einen grossen Teil seiner heute dezentralen Bürostandorte in einen Neubau mit guter ÖV-Anbindung. Das Projekt ist damit mehr als ein reiner Amtsbau. Es ist auch ein Baustein der Arealentwicklung in Luzern Nord.

Nach verfügbaren Angaben sollen die Wohnungen per 1. November bezugsbereit sein. Ausgeschrieben sind Einheiten von 1,5 bis 4,5 Zimmern. Genannt werden Mieten von 1’500 Franken inklusive Nebenkosten für 45 Quadratmeter bis 2’550 Franken für 103 Quadratmeter. Parkplätze für Mietende sind nicht vorgesehen. Das passt zum Standort direkt am Busknoten Seetalplatz, verschärft aber zugleich die Frage, wie gemischt genutzte Grossprojekte ihre Mobilität organisieren, wenn auch für die Verwaltung selbst keine Parkierung im Haus bereitsteht.

Seetalplatz verdichtet seine Funktionen
Für die Immobilienbranche ist vor allem die Nutzungslogik interessant. Der Kanton erstellt keinen abgeschotteten Sonderbau, sondern ein Gebäude mit Verwaltung, Retail und Wohnen. Solche Mischformen erhöhen an Transformationsstandorten die Auslastung, schaffen längere Präsenzzeiten im Quartier und verteilen das Risiko einzelner Nutzungen breiter. Gerade an Lagen wie dem Seetalplatz, wo Verwaltung, Verkehrsdrehscheibe und Wohnentwicklung räumlich eng zusammenrücken, wird diese Kombination zum städtebaulichen Instrument.

Hinzu kommt ein zweiter Effekt: Mit dem Umzug an den Seetalplatz werden gemäss kantonalen Unterlagen rund 38’000 Quadratmeter Bürofläche in Stadt und Agglomeration Luzern frei, die künftig wieder als Büro oder für Wohnnutzungen positioniert werden können. Der Neubau schafft damit nicht nur eigenen Wohnraum im Haus, sondern löst auch Bewegung im bestehenden Immobilienbestand aus. Wie rasch diese Flächen tatsächlich umgenutzt werden, dürfte zu einer der interessanteren Folgefragen des Projekts werden.

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