Ersatzneubau verbindet Wohnen, Gewerbe und Stadtraumaufwertung

In Rapperswil-Jona soll der Ersatz des leerstehenden Zentrums an der Unteren Bahnhofstrasse nicht nur 77 Wohnungen und neue Ladenflächen bringen. Das Projekt greift auch in den Strassenraum ein, entschärft eine heikle Kurve und setzt bei der Vermietung auf autoarmes Wohnen.

Juli 2026

An der Unteren Bahnhofstrasse in Rapperswil-Jona soll ein Ersatzneubau mehr leisten als die Reaktivierung eines weitgehend leerstehenden Einkaufsstandorts. Das Projekt Cityhof verbindet 77 Mietwohnungen, neue Laden- und Gewerbeflächen sowie ein Café mit einem Eingriff in den Strassenraum, der eine der heikelsten Verkehrssituationen im Zentrum entschärfen soll.

Öffentlich zugängliche Planungsunterlagen zeigen, dass der Sondernutzungsplan Merkurstrasse die Grundlage für die Neuentwicklung an der Unteren Bahnhofstrasse 19 und 21 schafft. Die öffentliche Mitwirkung läuft vom 16. Juni bis 15. Juli 2026. Der frühestmögliche Baustart ist für 2029 vorgesehen, ein Bezug frühestens ab 2031. Damit bleibt das Vorhaben mittelfristig ein Entwicklungsprojekt, für die Innenstadt ist der Richtungsentscheid aber bereits jetzt relevant.

Stadtumbau an einer neuralgischen Stelle
Der Kern des Vorhabens liegt in der Überlagerung von Hochbau und Verkehr. Rund um den Neubau sind ein aufgewerteter Linthplatz, neue Fusswegverbindungen und eine Neuorganisation der Anlieferung über die Merkurstrasse vorgesehen. Gerade an dieser Stelle zählt das doppelt: Das Areal liegt zwischen Bahnhof und Altstadt und besetzt damit eine der sichtbarsten Schnittstellen im Zentrum.

Besonders markant ist die geplante Entschärfung der scharfen Kurve an der Unteren Bahnhofstrasse. Nach verfügbaren Angaben soll der Strassenraum dort verbreitert werden, damit grosse Fahrzeuge die Passage sicherer bewältigen können. Für die Immobilienentwicklung ist das mehr als ein technisches Detail. Der Neubau wird so zum Hebel, um einen problematischen Stadtraum funktional und gestalterisch neu zu ordnen.

Wohnen mit wenig Auto
Ebenso klar ist die verkehrspolitische Handschrift im Nutzungskonzept. Für die Liegenschaft ist keine ausgedehnte neue Parkierung vorgesehen. Stattdessen setzt das Projekt auf eine hohe Zahl von Veloabstellplätzen und auf ein Vermietungsmodell, das Haushalte mit Autoverzicht bevorzugen soll. Das passt zur dichten Zentrumslage und zeigt, wie Wohnprojekte an gut erschlossenen Standorten ihre Mobilität zunehmend über Nutzungskonzepte statt über zusätzliche Tiefgaragen organisieren.

Für Investoren, Entwickler und Städte ist genau dieser Punkt interessant: Cityhof ist kein reiner Wohnneubau und auch kein klassischer Ersatz eines Retail-Objekts. Das Vorhaben zeigt, wie sich ein veralteter Handelsstandort in ein dichteres Mischobjekt mit mehr Wohnanteil, weniger Autoorientierung und höherem Anspruch an den öffentlichen Raum verschiebt. Ob der Zeitplan hält, hängt allerdings vom weiteren Planungsverfahren und von möglichen Einsprachen ab.

Weitere Artikel