Dietikon erfindet sein Zentrum neu
Ankommen, umsteigen, verschwinden. Jahrzehntelang war der Bahnhof Dietikon ein Ort des schnellen Durchschleusens. Nun packen SBB und Stadt gemeinsam an, was längst fällig war. Aus einem zersiedelten Umsteigeknoten wird ein urbaner Stadteingang mit neuem Quartier, begrünten Plätzen und einer fussläufigen Achse bis in den Kirchplatz. Dietikon schreibt Stadtgeschichte und der Takt ist vorgegeben.
Das Bahnhofgebäude aus dem Jahr 1977 hat seine beste Zeit hinter sich. Der Bushof drängt sich vors Bahnhofsportal, der Fussgänger kämpft um seinen Platz und die Verbindung ins Stadtzentrum ist alles andere als einladend. Diese Ausgangslage ist der Startpunkt für ein Stadtentwicklungsprojekt, das in dieser Konsequenz selten ist.
Zwei Akteure, ein Ziel
SBB Immobilien und die Stadt Dietikon haben ihre Planungen aufeinander abgestimmt. Das ist keine Selbstverständlichkeit. Die SBB entwickeln das rund 12’500 Quadratmeter grosse Bahnhofareal zu einem lebendigen Stadtquartier. Die Stadt übernimmt die öffentlichen Räume wie den Bahnhofplatz, Bushof und die Promenade Richtung Zentrum. Beide Projekte greifen ineinander und sollen als Einheit wahrgenommen werden.
Was auf dem Areal entsteht
Das bestehende Bahnhofgebäude bleibt erhalten, wird aber saniert und aufgestockt. In den Obergeschossen entstehen preisgünstige Wohnungen, im Erdgeschoss zieht eine neue, grosszügige Velostation ein. Auf dem Areal Nord entstehen Wohn- und Gewerbehäuser mit begrünten Innenhöfen und publikumsorientierten Erdgeschossen. Den räumlichen Abschluss setzt ein markantes Hochhaus an der Ecke Überland- und Weiningerstrasse mit bis zu 52 Metern Höhe. Mindestens Teile des Areals sollen das SNBS Gold-Zertifikat für nachhaltiges Bauen erhalten.
Das Baumdach als neue Mitte
Das Siegerprojekt für den öffentlichen Raum stammt von Hosoya Schaefer Architekten und BRYUM Landschaftsarchitekten. Ihr zentrales Element ist ein Baumdach, das sich vom Bahnhofsportal bis weiter Richtung Kirchplatz erstreckt. Darunter liegt eine chaussierte Fläche, die gleichzeitig als Bewegungsraum und Aufenthaltszone funktioniert. Der Fussgänger bewegt sich geschützt, begrünt und direkt von der S-Bahn ins Herz der Stadt. Eine städtebauliche Geste, die Dietikon bisher fehlte.
Der Bushof verschwindet aus dem Weg
Wer bisher den Bahnhof verlassen wollte, musste sich durch den Busverkehr hindurchfädeln. Das ändert sich grundlegend. Der neue Bushof wird in zwei getrennte Businseln aufgeteilt, je eine nördlich und südlich des Bahnhofs. Jede Insel erhält ein ringförmiges Dach als architektonisches Zeichen. Der Vorplatz vor dem Bahnhof bleibt damit dem Fussverkehr vorbehalten. Der Umstieg wird einfacher, der Stadtraum attraktiver.
Geduld ist gefragt
Grosse Stadtentwicklung braucht Zeit. Die Baubewilligung für das SBB-Areal wird 2028 erwartet, der Baubeginn ist für 2029 geplant, der Bezug für 2031. Das Stadtprojekt mit Bahnhofplatz und Bushof ist zwischen 2029 und 2032 angesetzt. Wer in Dietikon lebt oder arbeitet, wird die Baustellen hautnah erleben.
Ein Signal für die ganze Region
Dietikon ist die Bezirkshauptstadt, das Zentrum des Limmattals und seit der Limmattalbahn noch stärker in das regionale Mobilitätsnetz eingebunden. Was jetzt am Bahnhof entsteht, strahlt weit über die Stadtgrenzen hinaus. Dietikon sendet sie laut und deutlich.