Die Mobiliar wird Wohnbauträgerin

Bis zu 1’000 gemeinnützige Wohnungen will die Mobiliar in den kommenden Jahren schweizweit realisieren. Der Versicherer stellt dafür maximal 200 Millionen Franken Eigenkapital bereit und setzt auf das Prinzip der Kostenmiete.
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Die Mobiliar wird Wohnbauträgerin

Bezahlbarer Wohnraum wird in vielen Schweizer Regionen knapper. Besonders Familien, junge Erwachsene und ältere Menschen sind von hohen Angebotsmieten und einem begrenzten Wohnungsangebot betroffen. Nun will sich die Mobiliar, die sich als genossenschaftlich verankertes Unternehmen versteht, mit einem eigenen Engagement im gemeinnützigen Wohnungsbau an der Bewältigung dieser Herausforderung beteiligen.

In den kommenden Jahren plant die Mobiliar, schweizweit bis zu 1’000 gemeinnützige Wohnungen zu realisieren. Dafür will sie bis zu 200 Millionen Franken Eigenkapital einsetzen. Die Summe entspricht nicht den gesamten Anlage- oder Baukosten der künftigen Projekte, sondern dem vorgesehenen Eigenkapitalbeitrag. Je nach Projekt dürften weitere Mittel über Fremdfinanzierungen oder andere Finanzierungsquellen dazukommen.

Die Wohnungen sollen nach dem Prinzip der Kostenmiete vermietet werden. Der Mietzins deckt dabei die tatsächlichen Aufwendungen für Bau, Finanzierung, Betrieb und Unterhalt. Eine gewinnorientierte Rendite ist nicht vorgesehen. Dies kann dazu beitragen, die Mieten langfristig vom Renditedruck des freien Marktes zu entkoppeln. Wie hoch die Anfangsmieten konkret ausfallen, hängt jedoch weiterhin von Faktoren wie Grundstückspreis, Lage, Baukosten und Finanzierung ab.

Neue Gesellschaft als Grundlage
Für das neue Engagement hat die Mobiliar die Dedicasa AG gegründet. Die Gesellschaft verfolgt einen gemeinnützigen Zweck und soll als Trägerschaft für den Bau von preisgünstigem Wohnraum dienen. Die operative Umsetzung liegt bei der Schweizerischen Mobiliar Asset Management AG. Sie soll im Auftrag von Dedicasa geeignete Projekte entwickeln und die späteren Wohnungen bewirtschaften.

Damit verbindet die Mobiliar ihr gesellschaftliches Engagement mit bestehendem Immobilien-Know-how. Verwaltungsratspräsident Stefan Mäder begründet den Schritt mit der genossenschaftlichen Tradition des Unternehmens. Gemeinschaft und die Zukunftsfähigkeit der Schweiz seien Teil des Selbstverständnisses. Im Zentrum stehe die langfristige Sicherung von bezahlbarem Wohnraum und ein nachhaltiger gesellschaftlicher Mehrwert.

Die Suche und Prüfung geeigneter Projekte läuft bereits. Die Umsetzung soll jedoch schrittweise erfolgen. Konkrete Bauvorhaben, Standorte, Partnerschaften oder erste Bezugstermine wurden bisher nicht kommuniziert. Das Vorhaben ist deshalb vorerst als strategischer Aufbau einer neuen gemeinnützigen Wohnbautätigkeit zu verstehen.

Ergänzung zum öffentlichen Wohnungsbau
Das Engagement ist auch deshalb bemerkenswert, weil mit der Mobiliar eine grosse private Versicherungsgruppe in einem Feld aktiv wird, das in der Schweiz bisher vor allem von Wohnbaugenossenschaften, Stiftungen sowie Städten und Gemeinden geprägt ist. Während öffentliche Eigentümerinnen wie die Stadt Zürich über den Ankauf von Liegenschaften ihren Wohnungsbestand und ihre Landreserven erweitern, stellt die Mobiliar privates Eigenkapital für eine neue, gemeinnützige Trägerschaft bereit.