Der Eigentümerwechsel trifft auf ein Gebiet, das planerisch bereits als wirtschaftlicher Entwicklungsschwerpunkt vorbereitet wurde. Die Gemeinde Birr und der Kanton Aargau treiben seit 2023 die Weiterentwicklung von Grossacher und Grändel voran. Die Zusammenarbeit ist bis 2027 angelegt, und der Ergänzungsplan für das Gebiet ist Teil der revidierten Bau- und Nutzungsordnung.
Green hat das rund 250’000 Quadratmeter grosse Areal Grossacher und Grändel von ABB übernommen und will den Standort etappenweise zu einem Datacenter-Campus entwickeln. Vorgesehen sind daneben weitere Flächen für Industrie und Gewerbe sowie öffentlich zugängliche Grünzonen. Für Birr ist das mehr als ein Landverkauf. Ein lange als Reserve gehaltenes Industrieareal bekommt damit einen konkreten Entwicklungspfad.
Aus Reserve wird Infrastruktur
Das Gebiet westlich der Bahnlinien gehört zum wirtschaftlichen Entwicklungsschwerpunkt Eigenamt von kantonaler Bedeutung. Die Gemeinde bezeichnete Grossacher und Grändel bereits 2024 als wichtigen Schritt zu mehr Planungs- und Investitionssicherheit. Dass nun ein Betreiber von Rechenzentrumsinfrastruktur einsteigt, erhöht den Druck, Erschliessung, Energieversorgung und Vermarktung des Areals auf die nächste Stufe zu bringen.
Bemerkenswert ist die Grössenordnung des Vorhabens. Green sucht seit Oktober 2026 eine Gesamtprojektleitung für ein strategisches Datacenter-Grossprojekt mit mehreren Baufeldern, zentraler Energie- und Arealinfrastruktur, einer geplanten Kapazität von rund 300 Megawatt und einem Investitionsvolumen im Milliardenbereich. Das Stelleninserat nennt den Standort nicht ausdrücklich, die Beschreibung passt aber zur angekündigten etappenweisen Campusentwicklung in Birr.
Abwärme soll zum Standortfaktor werden
Im Zentrum des Projekts steht nicht nur zusätzliche Rechenleistung. Green will die Abwärme der künftigen Datacenter als Prozesswärme nutzbar machen und auch für ein Wärmenetz bereitstellen. Dazu kommt ein Kühlkonzept mit geschlossenen Kreisläufen, bei denen Wasser zirkuliert, aber nicht verbraucht wird. Für Eigentümer, Gemeinden und Werke ist genau diese Kopplung entscheidend. Der Wert eines Datacenter-Standorts bemisst sich immer stärker daran, ob sich Strombezug, Netzdienlichkeit und Wärmenutzung in ein lokales Energiesystem einbinden lassen.
Offen bleibt, welche konkreten Industrie- und Gewerbenutzungen neben den Rechenzentren auf dem Areal Platz finden. Laut Gemeinde Birr soll die Potenzialanalyse für den gesamten Entwicklungsschwerpunkt Fragen der Erschliessung, des Zugangs zum Bahnhof und der Vermarktung klären. Damit ist der Landkauf zwar ein markanter Startschuss, die eigentliche Standortentwicklung hängt aber an den nächsten planerischen und infrastrukturellen Schritten.
