Bauen statt blockieren
Pro Kopf werden heute so wenige Wohnungen gebaut wie seit den 1950er-Jahren nicht mehr. Diese historisch tiefe Bautätigkeit wirkt sich auf Wohnungspreise und Mieten aus. Zudem erschwert es ein engmaschiges Regelwerk, ausreichend Wohnraum zu schaffen.
Vor diesem Hintergrund kommen am 14. Juni zwei Wohn-Initiativen zur Abstimmung. Die Wohnschutz-Initiative will Gemeinden das Recht einräumen, Abbrüche, Umbauten und Renovationen einer Bewilligungspflicht zu unterstellen sowie einen Mietendeckel einzuführen. Die Wohnungsinitiative fordert ihrerseits eine kantonale Wohnbaugesellschaft, die mit einem Startkapital von 500 Millionen Franken in den Wohnungsmarkt eingreifen soll.
Damit setzen beide Vorlagen auf mehr staatliche Eingriffe und neue Auflagen. Um die Auswirkungen eines streng regulierten Wohnungsmarktes zu sehen, genügt ein Blick nach Basel und Genf.
In Basel-Stadt sind die Baugesuche für Wohnungen seit der Einführung der Wohnschutzverordnung im Jahr 2022 um 80 Prozent eingebrochen. Im Kanton Zürich haben sie im gleichen Zeitraum um 33 Prozent zugenommen. Die Konsequenzen in Basel-Stadt: Sanierungen werden sistiert, Handwerker klagen über fehlende Aufträge und Gewerbebetriebe sehen sich gezwungen, in anderen Kantonen nach Arbeit zu suchen.
Ein ähnliches Bild zeigt sich in Genf. Der Westschweizer Kanton kennt seit den 1980er-Jahren eine der strengsten Wohn-Regulierungen der Schweiz. Wer denkt, der Wohnungsmarkt funktioniere dort besser als in Regionen mit weniger Auflagen, irrt.
Die neue Sotomo-Studie «Wohnraumdynamik in Zürich und der Schweiz» zeigt, dass der umfassende Genfer Wohnschutz den Lock-in-Effekt akzentuiert. So bleiben viele Haushalte mangels Alternativen in unpassenden Wohnungen. Fast die Hälfte der Familien mit Kleinkindern und noch über ein Fünftel der 40- bis 64-Jährigen leben in überbelegten Wohnungen. Das führt zu einer strukturellen Fehlverteilung und blockiert den Wohnungsmarkt.
Jüngst hat eine Studie von Swiss Economics berechnet, was ein Wohnschutz-Regime für Zürich bedeuten würde: Bis zu einer halben Milliarde weniger Investitionen pro Jahr. Wird weniger investiert, wird weniger gebaut. Anstatt die Situation auf dem Wohnungsmarkt zu entlasten, verschärfen Wohnschutzregulierungen diese.
Die Lösung liegt woanders. Es braucht bessere Rahmenbedingungen für den Wohnungsbau. Schnellere Verfahren, weniger Bürokratie und gezielte Verdichtung dort, wo sie sinnvoll ist. Das schafft zusätzlichen Wohnraum und entlastet den Wohnungsmarkt.
Hier setzt der Gegenvorschlag zur Wohnungsinitiative an. Dieser setzt bewusst auf bessere Rahmenbedingungen und Anreize, um mehr Wohnraum zu ermöglichen – mit weniger Regulierung, beschleunigten Verfahren und verdichtetem Bauen dort, wo es sinnvoll ist. Das ist der richtige Ansatz. Denn wer etwas gegen die Wohnungsknappheit tun will, muss den Bau fördern – und nicht blockieren.