Achtjahreshoch bei Bewilligungen, Nullwirkung bei Mieten

Kräne drehen sich wieder häufiger über Schweizer Baustellen. So viele neue Wohnungen wie zuletzt vor acht Jahren wurden im vergangenen Jahr bewilligt. Wer nun auf sinkende Mieten hofft, dürfte enttäuscht werden. Der Aufschwung beim Bauen reicht schlicht nicht aus, um die aufgestaute Nachfrage zu befriedigen.

August 2026

In den vergangenen zwölf Monaten wurden schweizweit rund 52’000 Wohnungen zum Bau bewilligt, so viele wie zuletzt Ende 2018. Das entspricht einem Plus von gut 5 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Besonders markant fällt der Zuwachs bei den Mietwohnungen aus, hier stiegen die Bewilligungen um 11 Prozent.

Wo die Zahlen ihre Grenzen zeigen
Der gesamte Zuwachs bei den Bewilligungen geht vollständig auf das Mietwohnungssegment zurück. Konkret wurden 32’900 neue Mietwohnungen bewilligt, das sind 50 Prozent mehr als am Tiefpunkt der Bautätigkeit vor zweieinhalb Jahren. Gleichzeitig fliesst weiterhin viel Kapital in den Sektor, allein im letzten Jahr über 9 Milliarden Franken zusätzlich, mit ungebrochenem Zustrom.

Der Leerstand bleibt hartnäckig tief
Trotz des Bauschubs verharrt die Leerwohnungsziffer bei knapp 1 Prozent. Für den 1. Juni 2026 rechnet Wüest Partner mit rund 48’000 leerstehenden Wohnungen schweizweit, eine Zahl, die angesichts der Bevölkerungsgrösse verschwindend klein bleibt. Auch andere Marktanalysen bestätigen dieses Bild, die Leerstandsquote liegt strukturell deutlich unter dem langfristigen Durchschnitt, besonders in urbanen Zentren.

Die Mietschere öffnet sich weiter
Während bestehende Mietverhältnisse zuletzt sogar leicht günstiger wurden, mit einem Rückgang der Bestandesmieten um 0,4 Prozent, zogen die Angebotsmieten im ersten Halbjahr um 1,0 Prozent an. Wer die Wohnung wechseln muss, zahlt also spürbar drauf, während wer bleibt, kaum betroffen ist. Andere Prognosen gehen für das laufende Jahr sogar von Angebotsmietsteigerungen zwischen 2 und 3 Prozent aus.

Warum sich die Situation nicht schnell entspannt
Das Grundproblem bleibt strukturell. Bevölkerungswachstum von rund 80’000 Personen pro Jahr, tiefe Hypothekarzinsen und der anhaltende Homeoffice-Trend treiben die Nachfrage konstant nach oben. Die Bauinvestitionen dürften 2026 zwar um 5,3 Prozent zulegen, ein Angebotsschub dieser Grössenordnung braucht aber Jahre, bis er sich in spürbar mehr verfügbarem Wohnraum niederschlägt.

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