Milliarden für die Zukunft

Täglich passieren mehr als 100'000 Menschen einen Bahnhof, der längst an seine Grenzen stösst. In Luzern ist deshalb ein groser Bahnausbau geplant. Ein unterirdischer Durchgangsbahnhof soll die Kapazität des Bahnknotens stark erhöhen und die Zentralschweiz besser mit der Schweiz und dem internationalen Bahnnetz verbinden. Der Bund entscheidet 2027, ob das Projekt finanziert wird.
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Milliarden für die Zukunft

Der Bahnhof Luzern gehört nach Zürich und Bern zu den meistfrequentierten Bahnhöfen der Schweiz. Seine Zufahrt hat die Leistungsgrenze erreicht, mehr Verbindungen können nicht mehr angeboten werden. Jede zusätzliche Fahrt stösst an eine physische Grenze.

Während andere Regionen ihr Bahnangebot in den letzten Jahrzehnten deutlich ausbauen konnten, wartet die Zentralschweiz seit über 50 Jahren auf einen wesentlichen Ausbauschritt.

Die Lösung liegt unter der Erde
Der geplante Durchgangsbahnhof besteht aus drei zentralen Elementen. Einem Tiefbahnhof mit vier Gleisen, einer 44 Meter breiten Perronhalle sowie dem 3,8 Kilometer langen Dreilindentunnel. Dieser führt von Ebikon unter dem Vierwaldstättersee hindurch. Der Neustadttunnel verbindet die neue Anlage mit dem bestehenden Bahnnetz.
Aus dem heutigen Kopfbahnhof würde eine echte Durchgangsstation entstehen. Die Züge müssten nicht mehr wenden, sondern könnten den Bahnhof ohne Richtungswechsel durchfahren.

Mehr Züge, neue Verbindungen, kürzere Reisezeiten
Der Durchgangsbahnhof Luzern macht aus dem heutigen Kopfbahnhof eine zeitgemässe Mobilitätsdrehscheibe und ermöglicht neue, häufigere und schnellere Verbindungen sowie einen Ausbau des öffentlichen Verkehrs in Luzern und der ganzen Zentralschweiz. Der Durchgangsbahnhof ist das Schlüsselelement für ein dichteres S-Bahnnetz in den Zentralschweiz mit einem attraktiven Viertelstunden-Takt auf der S-Bahn und durchgebunden Linien, die zusätzlich die Fahrzeiten verkürzen, weil Umwege und Umsteigen nicht mehr nötig sind.

Gleichzeitig könnte sich die Reisezeit auf der Nord-Süd-Achse zwischen Basel und Mailand um bis zu 20 Minuten verkürzen. Auch aus der Westschweiz und Bern werden Verbindungen über Luzern ins Tessin wieder attraktiv. Die Verbindung wäre damit schneller als der heutige Umweg über Zürich. Davon würden nicht nur Pendler profitieren, sondern auch der internationale Bahnverkehr durch die Zentralschweiz.

Ein Befreiungsschlag für die Region
Regierungsrat Fabian Peter bezeichnet das Projekt als notwendigen Befreiungsschlag. Ohne einen Ausbau drohe eine Überlastung des gesamten Bahnsystems. Ein attraktives Angebot im öffentlichen Verkehr ist entscheidend, damit das Mobilitätswachstum im Kanton Luzern bewältigt und nachhaltig abgewickelt werden kann.

Der neue Bahnhof soll die Zentralschweiz enger mit Zürich und dem internationalen Bahnnetz verbinden und damit sowohl den Wirtschaftsstandort als auch den Alltag der Pendlerinnen und Pendler stärken.

Für Regierungsrat Peter ist der Ausbau also keine Kür, sondern eine Pflicht. Nur so könne die Region mit dem Wachstum anderer Landesteile Schritt halten. Zudem sieht er das Projekt als wichtigen Baustein für die nationale Nord-Süd-Verbindung entlang der Gotthard-Achse.

Der Preis der Zukunft
Für das Gesamtprojekt (Tiefbahnhof sowie den Dreilinden- und den Neustadttunnel ) hat der Bund einen Kostenrahmen von 5,1 Milliarden Franken festgelegt. Die erste Bauetappe dürfte gemäss aktuellem Stand rund 3 Milliarden Franken kosten. Der Bund hat bereits 85 Millionen Franken für die Projektierung gesprochen. Die eigentliche Finanzierung des Baus ist jedoch noch offen und hängt vom politischen Willen in Bern ab. Für ein Land mit grosser Infrastrukturtradition wäre das Projekt eine der grössten Einzelinvestitionen der kommenden Jahrzehnte.

Zwischen Hoffnung und Warnung
2023 sorgte ein Vorschlag des Bundes für Unruhe. Erstmals war von einer Etappierung die Rede. Luzern befürchtete, dass daraus lediglich ein zusätzlicher Sackbahnhof ohne echte Durchfahrt entstehen könnte und sich die Fertigstellung des Gesamtprojekt um Jahre verzögern würde.

Der Einsatz aus der Region für den Durchgangsbahnhof als Gesamtprojekt zeigte Wirkung. Das Projekt bleibt vorerst auf Kurs , die Finanzierung wird aber auf zwei Etappen aufgeteilt. Die Debatte machte jedoch deutlich, wie fragil Grossprojekte politisch sein können, sobald der Spardruck in Bern zunimmt.

Der Entscheid fällt 2027
Mit der Vorlage «Verkehr ‘45» entscheidet das Bundesparlament 2027 über die Realisierung der ersten Etappe (Tiefbahnhof und Dreilindentunnel) des Projekts. Ein Baustart wäre frühestens Mitte der 2030er-Jahre denkbar. Die Bauzeit für die erste Etappe dürfte zwischen elf und 13 Jahren liegen.

Bis dahin bleibt der Bahnhof Luzern ein Symbol für den Spagat zwischen Wachstum und Wartezeit. Für eine Region, die vorwärtsdrängt und ein System, das ihr noch nicht folgen kann. Wer heute durch die engen Perrons hastet, wartet auf ein Versprechen, das frühestens in einem Jahrzehnt sichtbar werden wird.