Von Januar bis August 2026 wurden in Deutschland 169’400 Wohnungen bewilligt. Das waren 12,1 Prozent mehr als in der Vorjahresperiode. Allein im August kamen 20’600 Wohnungen hinzu, 6,8 Prozent mehr als im August 2025. Am Markt schlägt dieser Zuwachs aber kaum durch, weil zwischen Bewilligung und Baustart weiterhin eine breite Lücke klafft.
Das zeigt sich inzwischen auch wieder in der Stimmung der Branche. Der ifo-Geschäftsklimaindex für den Wohnungsbau fiel im September von minus 22,5 auf minus 25,1 Punkte. Zugleich meldeten 41,3 Prozent der Unternehmen Auftragsmangel, während die Stornoquote von 13,4 auf 14,1 Prozent stieg.
Genehmigt, aber nicht umgesetzt
Der Engpass liegt nicht mehr nur bei neuen Bewilligungen, sondern bei der Realisierung. In Deutschland standen Ende 2025 laut Branchenangaben rund 450’000 genehmigte Wohnungen still. Der von der Bauindustrie genannte Bauüberhang genehmigter, aber nicht gebauter Wohnungen lag sogar bei 760’700 Einheiten. Für Eigentümer, Entwickler und Bauunternehmen heisst das, dass zusätzliche Bewilligungen kurzfristig kaum neues Angebot schaffen.
Zinsen drücken auf die Wirtschaftlichkeit
Die Finanzierungsseite bleibt der zentrale Bremsklotz. Die Europäische Zentralbank hob ihre Leitzinsen im September 2026 erneut um 0,25 Prozentpunkte an. Der Einlagesatz liegt seither bei 2,5 Prozent. Höhere Finanzierungskosten verschlechtern damit genau in jener Phase die Kalkulation, in der viele Projekte aus dem Bauüberhang eigentlich in den Markt kommen müssten.
Förderlücke rückt näher
Zusätzlichen Druck erzeugt die Förderseite. Die KfW verlängerte die befristete EH55-Förderung innerhalb des Programms Klimafreundlicher Neubau bis spätestens Ende 2026. Bis Ende September waren darüber 50’000 Wohneinheiten gefördert worden. Die Branche drängt nun auf eine Anschlusslösung, weil die neue Förderlandschaft erst zur Jahresmitte 2027 erwartet wird. Solange diese Lücke offen bleibt, dürfte der Anstieg bei den Bewilligungen den Wohnungsmarkt kaum spürbar entlasten.
