Der Streit dreht sich um die kantonale Berechnungslogik. St.Gallen stuft das Toggenburg im Richtplan weiterhin als Region mit besonders hohen Siedlungsgebietsreserven und dem kleinsten erwarteten Bevölkerungswachstum ein. Darum bleiben Auszonungen aus Sicht des Kantons fachlich richtig, obwohl die Wohnbevölkerung zuletzt wieder zulegte.
Die jüngsten kantonalen Zahlen verschärfen den Widerspruch. Ende 2025 lebten im Wahlkreis Toggenburg 49’605 Personen, das waren 0,6 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Politisch umstritten bleibt vor allem der Regionalfaktor von 0,5, während andere Regionen mit deutlich höheren Werten arbeiten.
Mehrheit der Last liegt im Tal
Von den kantonsweit gut 42 Hektaren vorgesehenen Auszonungen entfallen mehr als 36 Hektaren auf das Toggenburg. Betroffen sind Wildhaus-Alt St.Johann, Nesslau, Ebnat-Kappel, Neckertal, Mosnang und Lichtensteig. Gerade für Gemeinden mit knappen Gewerbe- und Entwicklungsflächen wird der Richtplan damit zur harten Standortfrage.
Regierung sieht keinen Grund zum Kurswechsel
Die St.Galler Regierung hat in einer Antwort auf einen parlamentarischen Vorstoss festgehalten, der Wert für das Toggenburg erscheine für die kommenden Jahre zwar zu tief angesetzt. Trotzdem will sie die Spielregeln in laufenden Verfahren nicht kurzfristig ändern. Sie verweist auf Planbeständigkeit, Rechtsgleichheit und darauf, dass das Toggenburg trotz Wachstum weiterhin die höchsten Gesamtsiedlungsgebietsreserven im Kanton aufweise.
Neckertal zeigt die praktische Folge
Am weitesten ist der Prozess in Neckertal. Dort verlangt der Kanton Auszonungen von 10,8 Hektaren. In Hemberg sind 1,7 Hektaren bereits rechtskräftig ausgezont. In Oberhelfenschwil mit 2,8 Hektaren und im früheren Neckertal mit 6,3 Hektaren sind die Schritte genehmigt, aber wegen hängiger Rekurse noch nicht rechtskräftig. Insgesamt könnte die Gemeinde rund 14 Hektaren auszonen und damit sogar über die kantonale Vorgabe hinausgehen.
Ein Rekurs kann den Richtplan treffen
Brisant bleibt ein hängiger Rekurs im Fall Neckertal. Fällt das Verfahren restriktiver aus, könnte das über die Gemeinde hinaus Folgen für den ganzen St.Galler Richtplan haben. Für Eigentümer, Gemeinden und Unternehmen geht es damit um mehr als einzelne Parzellen. Es geht um den künftigen Spielraum einer Region, die wieder wächst, planerisch aber weiter auf Bremskurs bleibt.
