Lausannes Baustoffbörse verfehlt die Profis

Lausanne hat seine Baustoffbörse hinter den Halles Nord 2024 als Hebel für mehr Kreislaufwirtschaft eröffnet. Zwei Jahre später tragen vor allem Privatpersonen die Nachfrage, während Architekten und Unternehmen zusammen nur rund 30 Prozent der Käufe ausmachen.
Lausanne/Waadt 3 Leseminuten
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Lausannes Baustoffbörse verfehlt die Profis

Darum gehts

KI-generiert
  • Lausannes Baustoffbörse wird bisher vor allem von Privatpersonen genutzt.
  • Architekten und Unternehmen stehen nur für rund 20 Prozent der Käufe.
  • Für Profis fehlen planbare Lose in passender Menge und Qualität.

Der Standort in Beaulieu war bewusst auf den Bausektor zugeschnitten. Die Stadt eröffnete die Ressourcerie am 28. Oktober 2024 zusammen mit Beaulieu SA und Matériuum Lausanne als Logistikbasis für wiederverwendbare Bauteile. Die Anlage hinter den Halles Nord verfügt laut Stadt über rund 800 Quadratmeter Fläche und sollte ausdrücklich auch grössere Bauelemente für Profis zugänglich machen.

Privatkunden dominieren den Absatz
In der Praxis läuft das Modell bisher anders. Laut der von Stadträtin Natacha Litzistorf gezogenen Bilanz schloss die Plattform das Jahr 2025 zwar mit einem Überschuss ab und erzielte 71 Verkäufe mit 20,5 Tonnen verwertetem Material. Auf der Käuferseite stammen jedoch rund 70 Prozent aus dem privaten Umfeld. Architekten kommen auf 15 Prozent, Unternehmen auf 5 Prozent, dazu Kulturakteure und öffentliche Einrichtungen mit je 5 Prozent.

Für die Immobilien- und Baubranche ist das mehr als eine Randnotiz. Die Ressourcerie war von Anfang an als Instrument gedacht, um Rückbau, Sanierung und öffentliche Bauvorhaben stärker auf Wiederverwendung auszurichten. Wenn aber vor allem Einzelkäufer kleine und sehr spezifische Mengen nachfragen, fehlt genau jene planbare Abnahme, die für wiederkehrende Anwendungen in Bauprojekten entscheidend wäre.

Zu wenig planbare Lose
Als Hauptproblem nennt Lausanne die schwierige Beschaffung qualitativ geeigneter Chargen. Gesucht wären Lose, die in Menge und Qualität zu den wiederkehrenden Bedürfnissen des Baumarkts passen. Tatsächlich ist die Plattform auf Material angewiesen, das Partner überhaupt erst anbieten. Damit entsteht eher ein opportunistischer Handel mit Einzelstücken als ein strukturiert planbarer Materialfluss aus Bau-, Renovations- und Abbruchprojekten.

Hinzu kommt der Kostendruck. Sorgfältiger Ausbau, Transport, Lagerung, Verpackung und teils auch Aufarbeitung verhindern Tiefstpreise. Für professionelle Anwender zählt damit nicht nur der ökologische Nutzen, sondern auch die Frage, ob Ausschreibungen, Bauherrschaften und Fachplaner Re-Use früh genug einplanen und die Mehrarbeit organisatorisch mittragen. Genau dafür hatte die Stadt bereits zur Eröffnung 2024 ihre Architektinnen und Architekten geschult und interne Vorgaben für nachhaltiges Bauen angekündigt.

Erste Projekte zeigen den Hebel
Dass Wiederverwendung im Hochbau funktioniert, zeigt Lausanne an einzelnen Projekten bereits konkret. Bei der renovierten Ferme de Rovéréaz wurden unter anderem alte Fenster aus dem Beau-Rivage Palace weiterverwendet. Solche Beispiele zeigen das Potenzial. Sie ändern aber noch nicht den Engpass der Baustoffbörse, solange Menge, Qualität und planbare Nachfrage für den professionellen Markt nicht zusammenfinden.