37 Grad draussen, 25 drinnen, kein Trick

Die Sommerhitze drückt auf Dächer, Fassaden und Arbeitsplätze. Drinnen steigen Konzentrationsverlust, Energiebedarf und der Wunsch nach einer Klimaanlage. Doch Gebäude können mehr, als Hitze zu bekämpfen. Sie können diese abfangen, speichern und klug ausbremsen.

Bild: Maris Mezulis

August 2026

Klimaresilientes Bauen nimmt die neue Realität ernst. Es geht darum, Gebäude so zu planen, dass sie bei Hitze, Starkregen oder Trockenheit funktional und angenehm bleiben.

Die Schweiz steht dabei unter Zugzwang. Klimaszenarien zeigen steigende Temperaturen sowie häufigere, intensivere und längere Hitzewellen. Das verändert das Innenraumklima und erhöht ohne Gegenmassnahmen den Kühlbedarf.

Ein Haus als Hitzeschild
In Allschwil zeigt das Bürogebäude Hortus, wie dieser Perspektivwechsel aussehen kann. Bei 37 Grad Aussentemperatur blieb es im Holzbau laut Projektverantwortlichen bei rund 25 Grad, ohne klassische Klimaanlage. Entscheidend ist nicht ein einzelnes Gerät, sondern das Zusammenspiel von Material, Beschattung, Begrünung und Energieversorgung.

Eine Lehmdecke nimmt überschüssige Wärme auf und gibt sie zeitversetzt wieder ab. Gleichzeitig kann Lehm die Luftfeuchtigkeit regulieren. Wenn zusätzliche Kühlung nötig wird, unterstützt Geothermie über den Boden.

Fassade wird aktiv
Auch die Gebäudehülle verändert ihre Rolle. Vertikale Photovoltaik kann Strom produzieren und Fenster zugleich beschatten. Bewegliche Solarpanels des Winterthurer Unternehmens Solskin folgen nicht nur dem Sonnenstand, sondern können den Lichtbedarf im Gebäude berücksichtigen. Die Technologie ist bereits an fünf Gebäuden installiert, bleibt aber in vielen Gemeinden noch erklärungsbedürftig.

Das ist ein wichtiger Punkt. Innovation scheitert im Bau oft nicht am Konzept, sondern an Verfahren, Routinen und der Skepsis gegenüber ungewohnten Bildern.

Wertstabilität braucht Sommerkomfort
Für Investoren wird Hitzetauglichkeit zum Wertthema. Die Lage bleibt zentral. Doch die langfristige Vermietbarkeit eines Gebäudes hängt zunehmend auch davon ab, ob Menschen darin während Hitzeperioden produktiv arbeiten und sich wohlfühlen können.

Klimaresilienz ist damit keine Zusatzdisziplin. Sie wird Teil guter Projektentwicklung. Wer heute mit Schatten, Speichermasse, Wasser und Begrünung plant, baut nicht einfach nachhaltiger. Er baut Räume, die auch morgen noch überzeugen.

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