Zürich plant Gasende in der City
Zwischen Hauptbahnhof und Bürkliplatz will Zürich das Gasverteilnetz je nach Lage zwischen 2033 und 2035 stilllegen. Für rund 500 Gebäude steigt damit der Druck, Heizungen und Kochanlagen rechtzeitig auf den Seewasserverbund CoolCity oder andere erneuerbare Systeme umzustellen.
In der Zürcher Innenstadt bekommt die Energiewende einen konkreten Zeitplan. Die Stadt will das Gasverteilnetz im Gebiet zwischen Hauptbahnhof, Schanzengraben und Bürkliplatz je nach Standort zwischen 2033 und 2035 stilllegen. Betroffen sind rund 500 Gebäude, die schrittweise an den Seewasserverbund CoolCity angeschlossen oder mit anderen erneuerbaren Lösungen versorgt werden sollen.
Für Eigentümerschaften ist das mehr als ein klimapolitisches Signal. Wer in dem Perimeter noch mit Gas heizt oder kocht, muss den Ersatz bestehender Geräte frühzeitig planen. Die Umstellung greift tief in Gebäudetechnik, Investitionsplanung und Terminierung von Sanierungen ein, zumal die Stilllegung erst nach der Erschliessung mit Fernwärme erfolgen soll und sich die Fristen nach Strassenzug unterscheiden.
Fernwärme wird zum Taktgeber
CoolCity soll ab 2032 erstmals Energie liefern und bis 2035 grösstenteils ausgebaut sein. Nach verfügbaren Angaben rechnet die Stadt mit einem jährlichen Wärmebedarf von rund 115 GWh und einem Kältebedarf von mehr als 37 GWh. Damit entsteht in der City einer der grösseren Seewasserverbunde der Schweiz. Bereits Ende 2024 wurde am Basteiplatz ein erster Microtunnel fertiggestellt, der als früher sichtbarer Baustein des Netzausbaus gilt.
Für den Immobilienbestand in der Innenstadt ist entscheidend, dass der Ausstieg aus Gas nicht nur Neubauten oder Grossprojekte betrifft. Gerade ältere Wohn und Geschäftshäuser mit knappen Technikflächen, laufenden Mietverhältnissen oder gemischten Nutzungen müssen die Umstellung in bestehende Betriebsabläufe integrieren. Wo ein Fernwärmeanschluss nicht sofort oder nicht wirtschaftlich passt, bleiben dezentrale erneuerbare Systeme Teil der Strategie.
Kosten, Entschädigungen, Fristen
Die Stadt verweist für den Heizungsersatz auf Fördergelder nach festgelegten Kriterien. Hinzu kommen Entschädigungen für nicht amortisierte Gasgeräte in Gebieten mit beschlossener Netzstilllegung. Das senkt den Druck auf einzelne Eigentümerschaften nur teilweise. Entscheidend bleibt, ob Ersatzinvestitionen, Leitungserschliessung und bauliche Eingriffe rechtzeitig koordiniert werden können.
Der Ausbau ist politisch und finanziell bereits breit unterlegt. 2024 bewilligte der Stadtrat für CoolCity rund 304 Millionen Franken aus dem 2022 an der Urne genehmigten Rahmenkredit «Thermische Netze» über 573 Millionen Franken. Parallel hat die Stadt den Perimeter der Gasnetzstilllegung in Altstetten-Nord erweitert und den Zeitplan dort angepasst. Das zeigt, dass Zürich die Ablösung des Gasnetzes nicht mehr nur als Zielbild formuliert, sondern quartierweise in verbindliche Fahrpläne übersetzt. Für Eigentümer in der City beginnt damit die operative Phase der Wärmewende.