Zollikofen zwingt 140 Wohnungen an die Urne

956 gültige Unterschriften haben in Zollikofen gereicht, um die Einzonung der Steinibachgrube vors Volk zu bringen. Damit wird ein Wohnprojekt mit rund 140 Wohnungen politisch zum Härtetest für Verdichtung, Altlastenrisiko und Verkehrsverträglichkeit.

August 2026

In Zollikofen ist aus einer Planungsfrage ein Grundsatzentscheid geworden. Für das Referendum gegen die Zonenplan- und Baureglementsänderung zur Steinibachgrube gingen 956 gültige Unterschriften ein. Nötig gewesen wären 300. Damit muss die Vorlage vors Stimmvolk.

Im Kern geht es um die Einzonung und Überbauungsordnung für ein Areal am Ortseingang, das gemäss den publizierten Unterlagen als Zone mit Planungspflicht entwickelt werden soll. Das Referenzkonzept sieht rund 140 Wohnungen vor. Der Urnengang ist laut kommunaler Ankündigung auf den 29. November angesetzt. Für die Wohnbaupolitik ist das brisant, weil das Projekt auf einer ehemaligen Grube mit Vorbelastungen geplant ist und damit nicht nur die übliche Frage nach Dichte und Akzeptanz auslöst, sondern auch jene nach technischer Machbarkeit und Kosten.

Verdichtung trifft auf Widerstand
Die Befürworter verweisen auf die Lage nahe Arbeitsplätzen und auf die Erschliessung an der Bernstrasse. In den Planungsunterlagen wird die Steinibachgrube als Siedlungserweiterungsgebiet mit einer Geschossfläche von über 21’000 Quadratmetern beschrieben. Gegner stellen genau diese Grössenordnung infrage. Sie argumentieren mit zusätzlichem Verkehr, Schulraumbelastung, Eingriffen ins Umfeld der Rütti und mit dem Risiko, dass Altlasten und Entsorgung das Wohnen am Ende verteuern.

Dass der Konflikt eskaliert, überrascht nicht. Die Gemeinde hatte die Zonenplan- und Baureglementsänderung für die Steinibachgrube bereits öffentlich aufgelegt. Im Vorprüfungsbericht des Kantons vom 18. Februar 2025 sind für das Verfahren unter anderem Lärm, Verkehr, Bodenschutz, Naturgefahren und technische Eingriffe dokumentiert. Das zeigt, wie komplex das Areal tatsächlich ist. Es geht längst nicht nur um zusätzliche Wohnungen, sondern um die Frage, ob ein belasteter Standort mit vertretbarem Aufwand in Wohnraum umgewandelt werden kann.

Politischer Test für das Areal
Für Entwickler, Eigentümer und Behörden ist die Abstimmung mehr als ein lokales Stimmungsbild. Fällt die Vorlage an der Urne durch, steht nicht einfach ein einzelnes Projekt still. Dann scheitert vorerst auch der Versuch, eine ehemalige Grube planungsrechtlich in ein grösseres Wohnareal zu überführen. Kommt sie durch, folgt damit noch nicht der Bauentscheid. Danach bleiben das koordinierte Verfahren, die Behandlung von Einsprachen und die weitere technische Präzisierung des Standorts zentral.

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