Wahnsinn oder Vision, 300 Millionen Franken für ein Bündner Dorf
Ein Tessiner Unternehmer baut ein vergessenes Bündner Bergdorf zur Ganzjahresdestination um. Was wie eine Schnapsidee klingt, nimmt konkrete Form an. Die Zahlen sind beeindruckend, die Vorzeichen stimmen und das Herzstück des Projekts sprudelt seit Jahrtausenden aus dem Berg.
Stefano Artioli hat San Bernardino GR nicht mit Plänen, sondern mit Kapital überzeugt. 100 Millionen Franken hat der 65-jährige Unternehmer aus dem Tessin bereits investiert. Die Bergbahnen laufen wieder, das renovierte Hotel Brocco & Posta empfängt Gäste und im Dezember öffnet das Hotel Ravizza seine Türen. Jetzt folgt die nächste Stufe.
Mit dem Luxus-Thermenresort Acuforta plant Artioli ein 200-Millionen-Projekt, das San Bernardino dauerhaft auf die touristische Landkarte bringt. Herzstück ist ein Thermen- und Wellnesszentrum mit über 2’000 Quadratmetern Fläche, ergänzt durch Mineralbäder, Innen- und Aussenpools sowie Behandlungsangebote rund um Gesundheit und Wohlbefinden. Ein Fünfsterne-Hotel, betrieben durch einen externen Hotelkonzern, Ferienwohnungen mit Service und eine neue Parkgarage komplettieren die Anlage.
Wasser mit Geschichte
Die Idee hinter dem Projekt ist älter als das Dorf selbst. Das Mineralwasser von San Bernardino war bereits den Römern bekannt. Der Arzt und Naturforscher Jakob Scheuchzer beschrieb die Quelle 1717 als Heilquelle. Auf 1605 Metern Höhe tritt das Wasser aus dem Berg, nach einer Reise von bis zu 30 Jahren durch die Gesteinsschichten. Das historische Quellhaus soll restauriert und zu einem Wassermuseum umgebaut werden. Artioli verknüpft damit Tourismus, Identität und Naturerbe in einem einzigen Angebot.
300 Jobs für das Misox
Was das Projekt für die Region bedeutet, lässt sich in Zahlen fassen. Heute arbeiten im Sommer 50 bis 60 Menschen in San Bernardino, im Winter 90 bis 100. Werden alle Projekte des Masterplans umgesetzt, entstehen insgesamt 300 Arbeitsplätze in den Saison- und Festanstellungen. Das ist für das Misox eine strukturelle Veränderung, nicht bloss ein touristisches Upgrade.
Ein zweites Andermatt?
Der Vergleich drängt sich auf. Artioli setzt auf private Investitionen aus eigener Kasse, auf einen langen Atem und auf ein klares Ziel. San Bernardino soll ganzjährig funktionieren, nicht nur im Schneewinter. Mit bis zu 300 Millionen Franken Gesamtinvestition und 1’500 geplanten Betten entsteht im Südbünden ein Resort mit Ambitionen. Ob daraus ein zweites Andermatt wird, entscheidet nicht der Investor allein, sondern die Gäste, die kommen.