Verdichtet, vernetzt, lebenswert
Die Ostschweizer Fachhochschule OST zeigt: Innere Verdichtung schafft neuen Wohnraum – und kann bei guter Planung die Lebensqualität in Städten und Gemeinden zugleich steigern.
Die Schweiz zählt heute über 9 Millionen Einwohnerinnen und Einwohner, die Bevölkerung wächst weiter. Der Druck auf den Wohnungsmarkt steigt, während Bauen ausserhalb bestehender Bauzonen seit der RPG-Revision von 2013 stark eingeschränkt ist. Städte und Gemeinden müssen sich nach innen entwickeln. Dabei bestehen laut Dita Leyh, Professorin für Stadtentwicklung an der OST, rechnerisch genügend Raumreserven. Einfamilienhausquartiere in Bahnhofsnähe, Industriebrachen oder ungenutzte Bahnareale bieten grosses Potenzial. Eine zweite RPG-Revision verschärft die Anforderungen weiter.
Verdichten, wo der ÖV stark ist
Besonders sinnvoll ist die Innenentwicklung an ÖV-Knotenpunkten. «Gerade an ÖV-Knotenpunkten ist die innere Verdichtung besonders sinnvoll», sagt Dita Leyh. Denn durch die optimale Anbindung ans Bus- und Bahnnetz entstehe mehr Wohn- und Lebensraum, aber nicht automatisch mehr Verkehr. Ein weiterer Schlüssel liegt in der Neuorganisation des ruhenden Verkehrs. Sammelgaragen am Quartierrand bündeln den Autoverkehr, das Quartierinnere bleibt weitgehend autofrei und gewinnt damit Freiraum für Mensch und Natur. «Je mehr man baulich verdichtet, desto mehr Freiräume müssen im selben Zuge entstehen», so Leyh.
Nutzungsmix als Qualitätsmerkmal
Verdichtung ist weit mehr als das blosse Stapeln von Wohnungen. Ein vielfältiger Nutzungsmix, von der Bäckerei über Restaurants bis hin zu Grünanlagen, belebt Quartiere und schafft Wertschöpfung. Damit dieser Mehrwert entsteht, braucht es eine qualitativ hochwertige, interdisziplinäre Planung. Stadtplanung, Verkehrsplanung und Freiraumplanung müssen von Beginn weg gemeinsam am Tisch sitzen, betont Leyh. Das aktualisierte Raumkonzept Schweiz 2050, das der Bundesrat im März 2026 verabschiedete, bestätigt diese Stossrichtung und setzt auf regionale Zusammenarbeit, landschaftliche Qualität und klimagerechte Mobilität.