Uri lädt die Energiewende auf

In Gurtnellen ist die aktuell grösste Batteriespeicheranlage der Schweiz in Betrieb. Axpo und energieUri haben im Industriegebiet Plattischachen zwei unmittelbar benachbarte Grossbatterien mit zusammen 58,4 Megawatt Leistung realisiert. Die Anlage kann überschüssigen Strom aufnehmen und in kritischen Momenten wieder ins Netz abgeben. Damit erhält die Energiewende im Reusstal einen neuen Taktgeber.

Uri, September 2026

Die Anlage besteht aus zwei eigenständigen Projekten. Axpo betreibt einen Speicher mit 50 Megawatt Leistung und 100 Megawattstunden Kapazität. energieUri steuert eine Batterie mit 8,4 Megawatt Leistung bei. Zusammen bilden sie die derzeit leistungsstärkste operative Batteriespeicheranlage des Landes.
Die Aufgaben sind klar verteilt. Axpo bewirtschaftet ihren Speicher mit nationalem Fokus. energieUri richtet ihre Anlage auf die Bedürfnisse des Kantons Uri aus. Beide Systeme stehen zwar am selben Ort, werden aber von den jeweiligen Unternehmen eigenständig betrieben.

Strom dann speichern, wenn er da ist
Sonne und Wind liefern nicht immer dann Strom, wenn Haushalte, Gewerbe und Industrie ihn benötigen. Batteriespeicher schaffen hier einen kurzfristigen Ausgleich. Sie nehmen überschüssige Elektrizität auf und speisen sie bei hoher Nachfrage wieder ein. Das stabilisiert Frequenz und Netz und senkt den Druck auf andere flexible Kraftwerke.

Besonders wertvoll sind solche Anlagen für ein Stromsystem mit mehr Photovoltaik und Windenergie. Sie ersetzen nicht den Netzausbau, saisonale Speicher oder Wasserkraft. Aber sie reagieren schnell. Genau diese kurzfristige Flexibilität wird mit dem wachsenden Anteil dezentraler Produktion wichtiger.

Ein Hub im Reusstal
Der Standort ist kein Zufall. In Plattischachen treffen wichtige Elemente der Energieinfrastruktur aufeinander. In unmittelbarer Nähe liegen ein Unterwerk der nationalen Netzgesellschaft sowie das Kraftwerk Arniberg von energieUri. Der Kanton Uri sieht darin einen Energie-Hub mit nationaler Ausstrahlung.
Der neue Speicher ergänzt zudem ein breit diversifiziertes Urner Energieportfolio. energieUri verweist auf den kürzlich in Betrieb genommenen Windpark Uri, das Pumpspeicherkraftwerk Isenthal, die alpine Photovoltaikanlage Sidenplangg, das Wasserkraftwerk Meiental und ein gemeinsam mit Axpo geplantes Wasserstoffprojekt in Bürglen.

Axpo baut europaweit aus
Für Axpo ist Gurtnellen Teil einer grösseren Speicherstrategie. Die Anlage ist derzeit der grösste operative Batteriespeicher im eigenen Portfolio. Weitere Projekte mit einer Gesamtleistung von über 300 Megawatt befinden sich laut Unternehmen in Frankreich, Deutschland, Italien, Polen und Rumänien im Bau.

Der Trend geht zudem zu hybriden Anlagen. Photovoltaik- oder Windparks werden direkt mit Batterien kombiniert. So kann Strom lokal zwischengespeichert, gezielter vermarktet und netzdienlicher bereitgestellt werden.

Rekord mit kurzer Haltbarkeit
Der Rekord in Gurtnellen dürfte nicht lange allein bleiben. Die Schweiz plant weitere Grossspeicher, weil Stromproduktion und Verbrauch zunehmend zeitlich auseinanderfallen. Das bestätigt, dass Batterien vom Pilotprojekt zur Infrastruktur werden.
Die Anlage im Reusstal löst nicht alle Energiefragen. Ihre Leistung liegt in wenigen Sekunden und Stunden, nicht in der Versorgung über einen langen Winter. Gerade deshalb ist sie wichtig. Sie zeigt, wie die Schweiz ihr Stromnetz für eine Zukunft mit mehr erneuerbarer Energie schneller, stabiler und flexibler macht.

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