Schlierens Schulriese Kalktarren erwacht
Die Sanierung ist umfassend. Gebäudehülle, Haustechnik, Brandschutz und Erdbebensicherheit werden auf den neuesten Stand gebracht. Mindestens acht neue Klassenzimmer sowie zusätzliche Mehrzweck- und Gruppenräume entstehen, die modernen pädagogischen Konzepten Raum geben. Die markante Sichtbetonfassade, ein architektonisches Markenzeichen des Baus, bleibt erhalten. Auf den Dächern schafft die Verstärkung der Tragstruktur Platz für grossflächige Photovoltaikanlagen, die künftig einen Teil des Eigenbedarfs decken.
Lernen ohne Unterbruch
Ein Schulhaus mit dieser Grösse lässt sich nicht einfach abschalten. Das Planungsteam hat deshalb eine kluge Etappierung entwickelt. Die Arbeiten erfolgen in einem Nord- und einem Südabschnitt, abwechselnd und koordiniert. Rund zwölf Klassen werden jeweils temporär in modernen Schulcontainern auf dem Gelände untergebracht, ohne das Schulleben nennenswert zu stören. Zugänge für Klassen, Lehrpersonen und Vereine bleiben während der gesamten Bauzeit gewährleistet. Die Planung zeigt, dass eine Grosssanierung und ein funktionierender Schulbetrieb kein Widerspruch sein müssen.
Energie aus dem Limmattal
Mit der Sanierung verabschiedet sich Kalktarren dauerhaft von Erdgas und Heizöl. Künftig liefert Limeco Regiowärme, gewonnen aus der Abwärme der Kehrichtverwertungsanlage in Dietikon. Was andernorts noch Vision ist, wird hier konkret umgesetzt. Erneuerbare Wärme aus dem regionalen Verbund fliesst über ein wachsendes Fernwärmenetz, das das Limmattal schrittweise erschliesst. Kalktarren wird damit zu einem Ankerprojekt der städtischen Netto-Null-Strategie 2040.
Teil einer grösseren Wende
Rund 48 Prozent der Treibhausgasemissionen auf dem Stadtgebiet Schlieren entstehen durch Immobilien. Noch immer werden 70 Prozent der städtischen Gebäude fossil beheizt. Mit Kalktarren setzt die Stadt ein sichtbares Zeichen, dass sich das ändert. Die Schulanlage ist nicht nur das grösste Sanierungsprojekt der Stadt seit Jahren, sie ist auch ein Beweis, dass ökologisches Bauen im Bestand möglich ist und sich eine Gemeinde auf diesem Weg gesamthaft weiterentwickeln kann. Statt Abriss und Neubau entschied man sich bewusst für die Erhaltung der baulichen Substanz und deren Aufwertung. Ein Entscheid, der Ressourcen schont und gleichzeitig städtebauliche Kontinuität wahrt.
Der Zeitplan
Baugesuch und Submissionen laufen seit Anfang 2026. Der Spatenstich ist für Mitte 2027 vorgesehen, die Fertigstellung für Ende 2029. Schlieren baut. Und es lohnt sich hinzuschauen.
Text: Christoph Grüninger • Bild: Architron