Saubere Luft wird zur Standortfrage

Mikroplastik bleibt nicht am Strassenrand oder in Gewässern liegen. Wind trägt feinste Partikel durch die Atmosphäre und verteilt sie über die ganze Schweiz. Eine erstmals systematische Untersuchung von Empa, Eawag und Agroscope zeigt nun das Ausmass. Jährlich lagern sich in Gebieten unterhalb von 2000 Metern rund 219 Tonnen Mikroplastik auf Böden und Gewässern ab.

Zürich/Bern/Jura, September 2026

Rund 78 Tonnen dieser Plastikpartikel fallen jedes Jahr direkt auf landwirtschaftliche Flächen. Weitere zehn Tonnen gelangen unmittelbar in Seen und Flüsse. Insgesamt landet damit rund zwei Fünftel der atmosphärischen Mikroplastikfracht auf besonders empfindlichen Flächen. Die Zahlen machen sichtbar, was bisher kaum messbar war. Plastik zerfällt unter dem Einfluss von UV-Strahlung, Niederschlag, Ozon und mechanischer Belastung in immer kleinere Teile. Wind wirbelt diese Partikel auf, transportiert sie weiter und verteilt sie anschliessend mit Regen, Schnee oder als trockene Ablagerung zurück auf die Erdoberfläche.

Nicht nur ein Problem der Städte
Während eines Jahres sammelte das Forschungsteam Proben in Zürich, Dübendorf, Magadino, Payerne und auf dem Chaumont im Jura. Analysiert wurden Partikel mit einem Durchmesser zwischen 20 und 215 Mikrometern.

Zürich wies mit durchschnittlich 881 Mikroplastikpartikeln pro Quadratmeter und Tag die höchste Belastung auf. Das passt zu dichter Besiedlung, Verkehr und Kunststoffverbrauch im urbanen Raum. Überraschender ist der Blick auf die übrigen Messorte. Dübendorf, Magadino, Payerne und Chaumont lagen mit 249 bis 331 Partikeln deutlich tiefer, aber nahe beieinander. Das deutet darauf hin, dass Mikroplastik in der Atmosphäre nicht nur ein städtisches Phänomen ist. Die Partikel erreichen auch ländliche Regionen, Landwirtschaftsflächen und Gewässer fern der grossen Zentren.

PET dominiert die Partikel
Die Forschenden bestimmten nicht nur die Menge, sondern auch die Kunststoffarten. Am häufigsten fanden sie PET mit einem Anteil von 31 Prozent. Es folgten Polyethylen mit 26 Prozent und Polypropylen mit 21 Prozent.

PET ist vor allem aus Getränkeflaschen bekannt, steckt aber auch in Polyesterfasern von Kleidung. Polyethylen und Polypropylen finden sich in Verpackungen, Folien, Behältern und vielen Alltagsprodukten. Die Studie kann einzelne Partikel jedoch nicht direkt einer bestimmten Quelle zuordnen. Reifenabrieb wurde zudem in einer separaten, noch laufenden Untersuchung erfasst.

Regen reinigt, Trockenheit lagert ab
Mikroplastik gelangt auf zwei Wegen aus der Luft zurück auf den Boden. Regen und Schnee waschen Partikel aus der Atmosphäre. Daneben setzen sie sich bei trockenem Wetter durch die Schwerkraft ab. In der Schweiz stammt rund 60 Prozent der abgelagerten Mikroplastikmasse aus dieser trockenen Deposition.
Gemessen an der gesamten Masse aller Luftpartikel bleibt der Anteil klein. Er liegt zwischen 0,02 und 0,12 Prozent. Doch die laufende Ablagerung über grosse Flächen führt zu relevanten Mengen. Mikroplastik baut sich nicht oder nur sehr langsam ab und bleibt deshalb in Böden, Gewässern und Nahrungsketten ein Langzeitproblem.

Vorsorge statt Verlagerung
Über die langfristigen Folgen für Umwelt und Gesundheit ist vieles noch offen. Klar ist jedoch, dass die Belastung nicht allein über Abwasser oder sichtbares Littering entsteht. Die Luft ist ein bedeutender Transportweg, der Kunststoffpartikel weit über ihren ursprünglichen Entstehungsort hinaus verteilt.

Die Forschenden leiten daraus keine einfache Einzellösung ab. Sie verweisen auf das Vorsorgeprinzip. Littering vermeiden, Kunststoffe gezielter einsetzen und Stoffkreisläufe schliessen. Was nicht in die Umwelt gelangt, kann später auch nicht als unsichtbare Plastikfracht auf Schweizer Feldern, Seen und Städten niedergehen.

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