Rotbuchstrasse hängt zwischen Wohnbau und Baumschutz

Im Zürcher Kreis 6 blockiert ein hängiges Verfahren am Bundesgericht ein Projekt für 42 gemeinnützige Wohnungen. Der Fall trifft einen empfindlichen Punkt der Stadtentwicklung, weil auf demselben Areal bezahlbarer Wohnraum, alter Baumbestand und verschärfter Baumschutz direkt aufeinanderprallen.

Zürich, September 2026

Das Projekt an der Rotbuchstrasse 18 und Seminarstrasse 19 ist seit Jahren bewilligt, doch gebaut ist bis heute nichts. Auf dem 2’914 Quadratmeter grossen städtischen Grundstück sollen 42 gemeinnützige Wohnungen und ein Kindergarten entstehen. Mehrere Anwohnende haben den Fall nach dem Entscheid des Zürcher Verwaltungsgerichts ans Bundesgericht weitergezogen.

Der Konflikt ist heikel, weil hier zwei politische Ziele der Stadt Zürich frontal zusammenlaufen. Einerseits soll auf städtischem Boden günstiger Wohnraum entstehen. Andererseits wurden die Regeln zum Baumerhalt in Zürich seit März 2025 deutlich verschärft und im April 2026 vom Stadtrat weiter konkretisiert. Für Bäume ab 100 Zentimetern Stammumfang gilt seither stadtweit eine Bewilligungspflicht zur Fällung, die in Baugesuchen sofort berücksichtigt werden muss.

Alte Bewilligung, neue Rechtslage
Die Ausgangslage macht den Fall besonders brisant. Die Stadt Zürich gab der Stiftung Einfach Wohnen das Areal 2023 im Baurecht für 62 Jahre ab. Damals war der Baustart noch für 2024 vorgesehen, der Bezug für 2026. Inzwischen ist das Vorhaben blockiert, während der politische und planerische Stellenwert grosser Stadtbäume weiter gestiegen ist.

Das Verwaltungsgericht gewichtete laut den vorliegenden Angaben das öffentliche Interesse am günstigen Wohnraum höher als den Schutz des nicht inventarisierten Baumbestands. Genau diese Abwägung dürfte nun auch für das Bundesgericht zentral werden. Für Entwickler, Eigentümerinnen und Behörden ist das mehr als ein Quartierstreit. Der Fall zeigt, wie rasch laufende Projekte unter Druck geraten, wenn Städte ihre Klima- und Freiraumvorgaben verschärfen.

Baumbestand wird zum Planungsrisiko
Nach Angaben der Projektträgerin stehen auf dem Areal 25 Bäume. Acht sollen gefällt, 17 erhalten und zusätzlich 12 neue Bäume gepflanzt werden. Die Stadt begründet den stärkeren Baumschutz damit, dass grosse Bäume für Hitzeminderung und Stadtklima besonders wichtig sind und ihre Wirkung durch Ersatzpflanzungen erst nach Jahrzehnten erreicht wird.

Offen bleibt damit nicht nur, ob das konkrete Vorhaben realisiert werden kann, sondern auch, wie belastbar ältere Bewilligungen in einem verschärften Regulierungsumfeld noch sind. Ein Entscheid des Bundesgerichts könnte deshalb über die Rotbuchstrasse hinaus Wirkung entfalten, gerade bei Ersatzneubauten auf dicht bebauten, grünen Stadtparzellen.

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