Mietpreis-Initiative erhöht den Druck im Mietrecht

Mit mehr als 140’000 eingereichten Unterschriften ist die Mietpreis-Initiative politisch gesetzt. Für Eigentümer, Verwalter und Entwickler rückt damit nicht nur die Frage nach der Miethöhe in den Fokus, sondern auch jene nach Kontrolle, Renditeberechnung und zusätzlicher Regulierung im Bestand.

Juni 2026

In Bern ist die Mietpreis-Initiative in die nächste Phase gegangen. Das Initiativkomitee um den Mieterinnen- und Mieterverband hat am Dienstag, 23. Juni 2026, nach eigenen Angaben mehr als 140’000 Unterschriften bei der Bundeskanzlei eingereicht. Damit wird aus einer wohnpolitischen Kampagne ein konkretes Regulierungsthema für den Schweizer Mietwohnungsmarkt.

Der Kern der Vorlage ist nicht zusätzlicher Neubau, sondern die automatische und regelmässige Überprüfung bestehender Mieten. Gesenkt werden müssten Mieten dann, wenn sie als missbräuchlich hoch gelten. Das trifft einen empfindlichen Punkt im Markt, weil die Initiative direkt auf die Kostenmiete und auf die Kontrolle zulässiger Renditen zielt.

Bestand statt Neubau
Für die Immobilienbranche ist die Vorlage vor allem deshalb relevant, weil sie den Fokus klar auf den Bestand legt. Eigentümer und Bewirtschafter müssten sich bei einer Annahme auf mehr Überprüfungen, mehr Dokumentationsaufwand und potenziell häufigere Mietzinsanpassungen einstellen. Der politische Konflikt verläuft damit nicht primär entlang der Frage, wie neue Wohnungen entstehen, sondern wie bestehende Mietverhältnisse preislich kontrolliert werden.

Der Mieterinnen- und Mieterverband begründet die Initiative mit aus seiner Sicht systematisch zu hohen Mieten und verweist auf Haushalte, die stark durch Wohnkosten belastet seien. Der Hauseigentümerverband hält dagegen, die Vorlage setze am falschen Ort an und schaffe keine einzige zusätzliche Wohnung. Aus Sicht der Eigentümerschaft liegt der Engpass weiter beim knappen Angebot, bei langen Verfahren und bei zu geringer Bautätigkeit.

Heikler Zeitpunkt im Mietrecht
Der Vorstoss fällt in eine Phase, in der das Mietrecht bereits unter Spannung steht. Der hypothekarische Referenzzinssatz liegt seit dem 2. September 2025 bei 1,25 Prozent und blieb auch per 2. Juni 2026 unverändert. Gleichzeitig läuft auf Bundesebene eine Diskussion über die präzisere Regelung zulässiger Renditen. Damit trifft die Initiative auf ein Umfeld, in dem nicht nur die Miethöhe, sondern auch die Berechnungslogik politisch und juristisch neu vermessen wird.

Ob die Initiative zustande kommt, entscheidet formell erst die Bundeskanzlei nach Prüfung der gültigen Unterschriften. Politisch ist die Botschaft aber schon jetzt klar: Die Auseinandersetzung um Missbrauchskontrolle, Kostenmiete und Wohnungsangebot verlagert sich stärker auf Bundesebene. Für Marktteilnehmer im Wohnen steigt damit das regulatorische Risiko im Bestand, noch bevor an der Urne entschieden ist.

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