Maag-Hallen statt Wohnturm in Zürich West

Swiss Prime Site stoppt das Projekt Maaglive und zieht das Verfahren vor Bundesgericht zurück. Auf dem Maag-Areal in Zürich West rückt damit eine Sanierung der Hallen für rund 60 Mio. Franken in den Vordergrund, mit einer möglichen Museumsnutzung durch die Universität Zürich.

Juni 2026

Auf dem Maag-Areal in Zürich West kippt die Entwicklungslogik. Swiss Prime Site verfolgt den geplanten Wohnturm im Projekt Maaglive nicht weiter, zieht das seit Ende September 2025 am Bundesgericht hängige Verfahren zurück und setzt stattdessen auf den Erhalt der Maag-Hallen. Damit wird aus einem umstrittenen Neubauvorhaben ein Sanierungsprojekt mit kultureller Perspektive.

Geplant ist eine umfassende Erneuerung der Hallen mit Investitionen von rund 60 Mio. Franken. Nach verfügbaren Angaben soll bis Ende 2027 ein Baugesuch eingereicht werden. Der Start der Sanierungsarbeiten ist auf Mitte 2029 angelegt. Für Eigentümer, Entwickler und die Stadt ist das mehr als ein Projektwechsel: Es zeigt, wie langwierige Einsprachen selbst weit fortgeschrittene Arealentwicklungen in eine andere Richtung zwingen können.

Vom Entwicklungsprojekt zur Bestandsstrategie
Das Vorhaben Maaglive war als weiterer Baustein der Transformation des ehemaligen Industrieareals bei Zürich Hardbrücke gedacht. Vorgesehen waren Wohnen, Kultur und publikumsorientierte Nutzungen. Nun verzichtet Swiss Prime Site auf diesen Entwicklungspfad. Der Bestand wird nicht mehr als Zwischenstufe behandelt, sondern als langfristige Nutzungsperspektive. Das verschiebt den Fokus von zusätzlicher Verdichtung hin zu Erhalt, Umnutzung und planbarer Realisierung.

Für das Areal ist diese Wende auch städtebaulich relevant. Das Umfeld rund um Prime Tower, Cubus, Diagonal und Platform wurde in den vergangenen Jahren schrittweise neu geordnet. Mit dem Rückzug von Maaglive bleibt ein weiterer Hochpunkt der Verdichtung aus. Stattdessen gewinnt die Frage an Gewicht, wie bestehende Hallen in Zürich West dauerhaft öffentlich wirksam genutzt werden können.

Museum als möglicher Ankermieter
Eine neue Richtung erhält das Projekt durch die Universität Zürich. Sie hat eine Absichtserklärung für die Anmietung der Maag-Hallen als möglichen Standort des Naturhistorischen Museums unterzeichnet. Das Museum besteht seit 2024 in neuer Form und ist derzeit im Zentrum untergebracht. Sollte der Standortwechsel zustande kommen, würde das Areal einen institutionellen Nutzer mit ganzjähriger Publikumsfrequenz erhalten. Für die Immobilienseite wäre das eine langfristige Stabilisierung der Nutzung statt einer weiteren Etappe mit Rechtsunsicherheit.

Bis zum Umbau bleibt es bei der Zwischennutzung. Der Mietvertrag mit Maag Music & Arts wurde letztmals bis Mai 2029 verlängert. Die nächste entscheidende Frage ist damit nicht mehr, ob der Wohnturm doch noch bewilligt wird, sondern ob aus der Absichtserklärung ein tragfähiges Kultur- und Museumsprojekt für den Bestand entsteht.

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