Lugano baut sich eine Stadtregion auf Schienen

766 Millionen Franken, ein 2,2 Kilometer langer Tunnel unter Breganzona, Fahrzeiten von sieben Minuten zwischen Bioggio und dem Stadtzentrum. Die Rete Tram-Treno del Luganese ist das grösste Verkehrsprojekt der Südschweiz. Gleichzeitig auch ein Härtetest für die Entwicklungsfähigkeit der ganzen Region. Anfang April 2026 hat das Bundesverwaltungsgericht die letzten fünf Beschwerden abgewiesen. Damit steht dem Baubeginn 2027 wenig im Weg.

Bild: RTTL SA

Mai 2026

Das Tram-Treno-Netz verbindet das Stadtzentrum Lugano mit dem Malcantone und dem Valle del Vedeggio über drei Streckenabschnitte. Von Bioggio nach Lugano Centro dauert die Fahrt künftig sieben Minuten, von Agno und Manno dreizehn, von Ponte Tresa vierundzwanzig. Die Kapazität steigt von heute 7’500 auf 20’000 Fahrgäste pro Tag. Eine unterirdische Station in rund 50 Metern Tiefe am Bahnhof Lugano schafft den direkten Anschluss an das SBB-Netz. Wer bisher mit dem Auto pendelte, erhält eine echte Alternative auf der Schiene.

Der Tunnel als Herzstück
Der Breganzona-Tunnel ist das Schlüsselbauwerk der ersten Etappe. Auf rund 2 Kilometern verbindet er Bioggio mit Lugano Centro und verkürzt die Fahrzeit um fast zwei Drittel gegenüber heute. Das Konsortium Tram Ticino unter Beteiligung von AFRY hat den Zuschlag für die Tunnelplanung im Frühjahr 2025 erhalten. Die RTTL SA, seit Herbst 2023 verantwortliche Projektgesellschaft, steuert die Vergabe in mehreren Losen, von der Bauleitung über die Bahntechnik bis zur landschaftlichen Begleitung.

Finanzierung steht, Rekurse erledigt
Die Gesamtkosten der ersten Etappe belaufen sich auf 766 Millionen Franken. Die Eidgenossenschaft übernimmt mit über 500 Millionen den grössten Teil, der Kanton trägt rund 20 Prozent, die Gemeinden des Luganese die verbleibenden 14 Prozent. Im September 2025 bestätigte der Tessiner Staatsrat einen Zusatzkredit von 87,4 Millionen Franken, nachdem die Kosten gegenüber dem Voranschlag von 2019 um rund 200 Millionen gestiegen waren. Grund dafür sind Teuerung, Rohstoffpreise und die Überarbeitung des Projektdesigns. Am 2. April 2026 wies das Bundesverwaltungsgericht in St. Gallen die letzten fünf Beschwerden gegen das Projekt ab und bestätigte dessen Konformität mit Umwelt- und Denkmalschutzrecht.

Was das für den Immobilienstandort bedeutet
Gute Schienenanbindung verändert die Qualität ganzer Teilräume. Entwicklungsgebiete in Agno, Bioggio oder Manno gewinnen spürbar an Attraktivität, sobald sie in ein leistungsfähiges Netz eingebunden sind. Das gilt im Tessin besonders, weil topografische Enge und Verkehrsbelastung die Spielräume auf der Strasse begrenzen. Im Idealfall löst das RTTL ab 2035 genau jene Impulse aus, die der Immobilienmarkt im Luganese seit Jahren erwartet. 75 Jahre nach der letzten Tessiner Strassenbahn fährt dann wieder ein Tram durch die Region und mit ihm eine neue räumliche Ordnung.

Info-Box

Strategischer Rahmen:
Innovation, Forschung, Internationalität und Brückenfunktion Schweiz–Italien.

 

Herausforderung:
Starke Positionierung trifft auf komplexe Realisierung und fragmentierte Teilmärkte.

 

Relevanz:
Standortförderung wirkt nur dann nachhaltig, wenn sie räumliche Entwicklung mitträgt.

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